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Patricia Highsmith: "Salz und sein Preis"
(Roman) | Diogenes
Unsentimentale Liebesgeschichte
Kurz nachdem Patricia Highsmith erste
Erfolge als Suspense-Autorin feierte, brachte sie ihren Roman
"Salz und sein Preis" heraus - unter einem Pseudonym,
da sich die Geschichte mit der Beziehung zweier Lesben beschäftigt.
Ein Buch, das nicht an Aktualität verloren hat.
Von Stephan Sigg.
Als die 19-jährigen Therese, die sich
mit einem Job als Verkäuferin ihre Bühnenbildnerin-Laufbahn
finanzieren will, im Kaufhaus der attraktiven Carol begegnet,
merkt sie, dass sie sich zum eigenen Geschlecht mehr hingezogen
fühlt als zu ihrem Freund Richard. Die Gefühle zur
unbekannten Kundin entflammen sofort, trotzdem führt sie
die Beziehung zu Richard fort. Und anfangs scheint es für
Therese gar nicht so rosig auszusehen: Auch wenn sie von der
ersten Begegnung mit Carol überzeugt ist, dass sie füreinander
bestimmt sind, dauert es einige Zeit, bis sich die beiden näher
kommen. Carol steckt gerade im Scheidungskrieg und Sorgerechtskampf
um ihre Tochter. Als sich die beiden mit Carols Auto auf die
Reise quer durch die Staaten machen, wissen sie nicht, dass sie
von einem Detektiv verfolgt werden und ihre Beziehung dramatische
Züge annehmen wird.
Kampf um das Sorgerecht
Der von Carols künftigem Ex-Mann
angeheuerte Detektiv soll Beweise dafür sammeln, dass Carol
eine "amoralische Beziehung" zu einer Frau führt.
Damit will er das Sorgerecht für die gemeinsame Tochter
bekommen. Auch Richards Liebe zu Therese schlägt sich immer
mehr in Verachtung um. Er kann sich nicht damit abfinden, dass
Therese sich in eine Frau verliebt hat und sich nicht für
ihn entscheidet. Am Schluss empfindet er nur noch Ekel für
sie.
Keine jugendliche Schwärmerei
Carol stellt Thereses Leben total
auf den Kopf. Sie kriegt sie nicht mehr aus dem Kopf und möchte
das ganze Leben mit ihr verbringen. Aber wie kann sie sicher
sein, dass es sich dabei tatsächlich um Liebe handelt? Denn
Carol tut es als jugendliche Schwärmerei ab. Auch Carols
Freundin Abby, die Ex-Geliebte wie man später erfährt,
funkt immer wieder dazwischen und will einen Keil zwischen die
beiden Frauen treiben. Doch Therese lässt sich nicht von
ihren Gefühlen abbringen. Sie ist sich sicher, dass an ihrer
Liebe zu einer Frau nichts Falsches sein kann.
Packend bis zum Schluss
Wie Patricia Highsmith in ihrem Nachwort
schreibt, beruht "Salz und sein Preis" auf einer wahren
Begebenheit: Die Begegnung im Warenhaus soll sich tatsächlich
ereignet haben. Zwar habe sie die Frau nie wieder gesehen, doch
bereits am Abend nach dem Zusammentreffen habe sie die ganze
Handlung für "Salz und sein Preis" entworfen.
Highsmith führt knallhart vor Augen, wie sehr Homosexuelle
in den USA der 60er diskriminiert wurden. "Salz und sein
Preis" begeisterte die Leser und bescherte Highsmith hohe
Auflagen. Ein Grund sei, wie Highsmith im Nachwort erzählt,
dass es eine der wenigen Bücher über Lesben ist, das
mit einem hoffnungsvollen Schluss endet. Mit diesem rechnet man
der Lektüre nicht, denn alles deutet darauf hin, dass die
beiden keine Zukunft haben, so sehr scheinen sie äusserlichen
und inneren Spannungen ausgesetzt zu sein.
"Salz und Preis" packt einem von
der ersten Seite an und zieht total in den Bann. Eindeutig kein
Buch für zwischendurch, denn einmal zu lesen begonnen, will
man das Buch nicht mehr aus der Hand legen.
460 Seiten, CHF 37.90
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