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Nr. 133 / Juli 2005

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Heine J. Dietiker: "Papanonna" (Roman) | Edition 8
Das Familiengeheimnis oder wie meine Grossmutter Papst wurde

Spätestens seit dem Erfolgsthriller "Sakrileg" steht die Frage um die Rolle, die Frauen in der christlichen Geschichte und Religion spielen und gespielt haben, im Raum und auch das vorliegende Werk befasst sich auf seine ganz eigene Weise mit dieser Frage. Doch wer einen Skandalroman erwartet, liegt falsch. Vielmehr handelt es sich um ein Werk, das die menschliche Natur allgemein hinterfragt, zu Gedanken anregt und doch auch immer wieder zum Schmunzeln oder sogar laut Lachen verführt.

Von Claudia Wehrli.

In einem Sanatorium, man könnte auch sagen Spital, für alte Leute begegnet der Leser dem Ich-Erzähler Giovanni di Stefano zum ersten Mal. Er teilt sich sein Zimmer mit dem schwerreichen Unternehmer Bassi, der es Giovanni auch seit geraumer Zeit mit seinem Reichtum ermöglicht, weiterzuleben. Die beiden Patienten sind mit vielen Kabeln und Schläuchen an lebenserhaltenden Maschinen angeschlossen, doch davon abgesehen sind die beiden putzmunter. Bassi ist schon seit längerer Zeit erpicht darauf, endlich di Stefanos Familiengeheimnis zu erfahren und als der Unternehmer Giovanni eine Bluterneuerung spendiert, beginnt dieser tatsächlich zu erzählen. Seine Gedanken schweifen weit in die Vergangenheit ab, die in etwa unserer heutigen Gegenwart entsprechen dürfte. Alles begann damit, dass der Papst stirbt. Giovannis Grossonkel Vico di Stefano ist Kardinal und hat gute Chancen, zum neuen Kirchenoberhaupt gewählt zu werden. Doch unglücklicherweise segnet auch Vico nicht lange nach dem Papst das Zeitliche und so beschliesst die machthungrige Anführerin des di Stefano Clans, Rosa, Vicos Zwillingsschwester Pia als Kardinal auszugeben. Prompt gelingt die Maskerade und Pia wird zu Papst Africanus I., doch ihr Mann Norbert ist von Pias neuer Aufgabe überhaupt nicht begeistert, zumal auch ihm zuerst die Geschichte von Pias Tod aufgetischt wurde wie dem Rest der Welt.

Africanus I. - der Schrecken des Vatikans
Pia als Africanus I. bringt in vielen Bereichen einen frischen Wind in den Vatikan. Nicht nur, dass sie immer einen Rat weiss, Heuchler sofort durchschaut und sich nur von guten Argumenten überzeugen lässt, sie überführt auch den päpstlichen Finanzchef des Betrugs und säubert so gut als möglich den Vatikan von Opportunisten und radikalen Kräften. Als sie den Amerikanischen Aussenminister trifft und dieser eine lange, aber leere Rede über Freiheit hält bringt sie ihn ziemlich in Verlegenheit mit der Frage, ob er sich schon einmal überlegt habe, was Freiheit genau sei. Leere Worte werden in dem Buch genau so angeprangert wie Selbstsucht, Gier und Machthunger. Durch Pias Worte, ihre Taten und auch durch die Reflexionen Giovannis wird der Leser ebenfalls dazu angeregt, sich Gedanken über sein Leben und die gegenwärtige Lage der Welt zu machen, jedoch nicht mit einem anklagenden Fingerzeig, sondern mit einem beinahe liebevollen Anstoss.

Potential zum Klassiker
Der vorliegende Roman hat durchaus Klassikerqualitäten. Der Erzählstil ist zu Beginn etwas gewöhnungsbedürftig, mit jedem neuen Paragraphen wechselt auch der Schauplatz hin und her von Rom nach Köln, dem Gut der di Stefanos, Südfrankreich, Afrika und in die Zukunft. Hat man sich jedoch erst einmal an die Erzählstruktur gewöhnt lernt man sie schätzen. Die Charaktere sind nachvollziehbar und liebevoll gezeichnet, die Wortwahl mutet zum Teil etwas seltsam an, doch sie beeinträchtigt den Erzählfluss nicht. Der Roman bringt den Leser des Öfteren zum Lachen, vor allem Pias gewitzter Umgang mit anderen Leuten ist ein wahres Vergnügen. Ein Buch, das sich ausgezeichnet als Hängematten- oder Zugbuch eignet.

304 Seiten, CHF 37.00


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