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Nr. 133 / Juli 2005

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Ohrwurm
Unter dem Strich
 

Robbie the Dog

Von Lukas Hunziker.

Robbie Williams. Den kennt man, oder? Diesen Typen, der mal bei dieser Boy Band war, der angeblich diese Drogenprobleme hatte und der bei diesen jungen Dingern so beliebt ist. Allerdings nicht bei deren Eltern. Denen gefällt Robbie nämlich nicht.

Zumindest kam ich zu dieser Annahme, nachdem ich einige Worte mit meiner Coiffeuse über den britischen Popstar gewechselt habe. Die ist nämlich eine jener Mütter, die Robbie böse finden. Vielleicht stand ihre Tochter nicht mal auf ihn. Aber sie hat eine Show mit ihm am Fernsehen gesehen. Und was er da gemacht hat, nein, gefallen hat ihr das nicht. Ich habe die Show übrigens auch gesehen. Und ich fand das Ganze auch etwas geschmacklos.

Was hat er denn da gemacht? Erst mal nichts Schlimmes. Er kam auf die Bühne, ziemlich herausgeputzt, und begann ein Lied zu singen. Aber dabei blieb es nicht, oh nein. Da er nämlich sah, dass die minderjährigen Teenager sich die Stimmen aus ihren Hälsen nach ihm schrieen, als ob sie allein durch seine Anwesenheit die Wirkungskraft multipler Orgasmen erfahren dürften, dachte sich Robbie... Ja, was dachte er sich? Eigentlich weiss ich das gar nicht so genau. Auf jeden Fall begab er sich ins Publikum, nahm den jungen Mädchen den Fotoapparat ab, rückte sich mit der Besitzerin aufs Bild, leckte sie am Ohr und drücke dazu ab. Ja, genau das tat er, so wahr ich hier schreibe.

Er fotografiert sich also dabei, wie er Minderjährige an den Ohren leckt. Kein
Wunder fand das meine Coiffeuse etwas daneben. Ist es doch irgendwie auch, oder? Nicht, dass ich dem Mädchen ihre multiplen Orgasmen, welche ab sofort vielleicht allein durch das Foto ausgelöst werden konnten, nicht gönne. Aber als Schwiegersohn hätte ich Robbie danach auch nicht mehr genommen (ausser, er würde mir mal das Ohr abschlecken! Das muss herrlich sein!). Fazit daher auch für mich: Robbie ist böse.

Dann begann ich aber allmählich über Robbie nachzudenken. Was zur Folge hatte, dass ich plötzlich fand, er sei gar kein Böser, sondern ein ganz Armer. Denn seien wir ehrlich, wie anders denn als Provokation kann man dieses Ohrenlecken verstehen? Wie anders kann man seinen Lebensstil, seine Tätowierungen, sein Aussehen, seine Exzesse interpretieren? Meine Theorie ist, dass Robbie einfach krass sein möchte, aber nicht kann. Iron Maiden will ihn nicht, 50 Cent ist er nicht schwarz genug und Marilyn Manson hat auch genug Mitarbeiter. Auch kommt es schlecht in Frage, die Provokation so weit zu treiben, dass Robbie seine Zunge anderswohin wandern lässt, denn Prozesse wegen Missbrauchs von Minderjährigen können anstrengend sein (ach ja, Gratulation Mike!). Was immer Robbie Williams auch Böses tut, man verzeiht ihm, da er ja doch mal in dieser Boyband war, und die waren ja alle so lieb!

Deshalb ward Robbie zum Zyniker. Er kann sagen, dass er die Fans hasst, niemand glaubt ihm. Er kann sagen, dass er bei den Plattenaufnahmen gerne nackt singt, man findet es cool. Robbie Williams ist in der Situation, dass er alles sagen kann und vieles tun kann, ohne dass man es ihm wirklich übel nimmt. Was andere Stars ruinieren könnte, steigert sein Image. Wie kann man da noch Spass haben? Was würde Marilyn Manson machen, wenn Bush mit seinen Kirchenkollegen zu seinem Konzert kommen würde? Scheisse, oder? Robbie könnte Pornos drehen, hobbymässig bei Hinrichtungen auf die Knöpfe drücken, ein Geschäft mit rosa Teddybären eröffnen oder Robben jagen; alle würden ihn noch lieben.

Ausser meiner Coiffeuse. Die nicht. Die würde sich in ihrem Eindruck bestätigt fühlen. Ich würde ihn übrigens auch nicht lieben. Aber bewundern. Kaum ein Musiker arbeitet so hoffnungslos daran, sein Image zu verschlechtern, ohne auch nur ein Fünkchen Erfolg zu haben. Zumindest nach meiner Theorie. Die auch gar nicht stimmen muss. Vielleicht ist Robbie einfach ein sexhungriger, primitiver Halbstarker dessen schizophrenes Image nicht mehr als bemitleidenswerte Onanie ist. Bin aber für die erste Variante.


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