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Nr. 133 / Juli 2005

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Ohrwurm
Unter dem Strich
 

Starkes Alter

Von Sonja Valentino.

In Luzern gibt es ein Lokal namens Schüür, wo es sich teuer trinken lässt und auf dessen Bühne es immer wieder Gutes zu sehen gibt. Abonniert man den Newsletter besagter Lokalität, kann es vorkommen, dass man mit einer Mail überrascht wird, welche nichts Geringeres als einen Gratiseintritt zu einem Konzert ihrer Wahl (der Wahl der Schüürbetreiber) beinhaltet. So geschehen vor einiger Zeit in meinem elektronischen Postfach.

Den Typen, den ich unentgeltlich hören gehen durfte, kam aus den Staaten und hatte sich mit seiner Band dem Rock der bluesigen Sorte, fernab des Mainstreams, verschrieben. Irgendwie so lautete die Beschreibung irgendwo auf einer Seite im Netz. Da es gratis war, ich Zeit und Lust hatte, ging ich da hin. Meine Schwester, ebenfalls Abonnentin und Beschenkte, kam gleich mit.
Nach unserem panischen Lass-uns-ja-nicht-zu-spät-kommen-Gerenne quer durch die halbe Stadt, setzten wir uns an diesen einen Tisch zwischen Kasse und Toiletteneingang um die 90 Minuten, die wir zu früh dran waren, mit Leutebeobachten und Flyerstudieren totzuschlagen. Uns fiel auf, dass wir zur Abwechslung mal zu den jüngsten Besuchern gehörten. Um uns rum waren lauter Menschen mittleren Alters, die sich mit Weingläsern in der Hand in moderatem Ton (das geht anscheinend auch) unterhielten. Und ja, mir gefiel, was ich da erblicken durfte. Kein Gedrängel, Gegröle und Geschreie. Es wurden keine Posen geschmissen, keine Titten zum Décolleté rausgehängt. Alles cool und entspannt, irgendwie erwachsen halt.

Ebenso verhielt es sich dann beim Konzert selber. Alle standen sie da mit ihrem Wein und wippten sachlich mit den Füssen und nickten engagiert mit dem Kopf und hatten Spass. Vier ganz Enthusiastische wagten sich sogar an den Bühnenrand und schüttelten hie und da ihr schütteres Haar, wenn die Gitarrenriffs es verlangten. Aber das Beste war der Platz, der für alle da war und nicht hart erkämpft und verteidigt werden musste. Keine fremden Ellbogen und Hände, welche durch ihr Geschupse und Vorbeigepresse die Nachgiebigkeit und Duktilität meines Busens und Hintern testeten. Niemand, der mir, oh sorry, seinen Hinterkopf ins Gesicht schlug. Keine hysterische Kuh, die mir ihre Nägel in den Rücken rammte, weil sie nichts sehen konnte. Nee, nichts dergleichen. Ich konnte dastehen, meinen Arm ganz ausstrecken und mich um meine eigene Achse drehen, ohne auch nur ein fremdes Haar oder T-Shirt zu berühren. Meine Tasche deponierte ich in einem Meter Entfernung irgendwo auf dem Boden. Keiner machte auch nur die kleinste Anstalt, sie von dort entwenden zu wollen, um sich an ihrem Inhalt zu bereichern. Auch stolperte niemand darüber. Und ja, die Musik, die war auch nicht schlecht.

Was soll ich sagen, es gibt es also doch, ein Konzertleben nach 40. Gut zu wissen. Danke liebe Schüür.


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