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Starkes Alter
Von Sonja Valentino.
In Luzern gibt es ein Lokal namens Schüür,
wo es sich teuer trinken lässt und auf dessen Bühne
es immer wieder Gutes zu sehen gibt. Abonniert man den Newsletter
besagter Lokalität, kann es vorkommen, dass man mit einer
Mail überrascht wird, welche nichts Geringeres als einen
Gratiseintritt zu einem Konzert ihrer Wahl (der Wahl der Schüürbetreiber)
beinhaltet. So geschehen vor einiger Zeit in meinem elektronischen
Postfach.
Den Typen, den ich unentgeltlich hören
gehen durfte, kam aus den Staaten und hatte sich mit seiner Band
dem Rock der bluesigen Sorte, fernab des Mainstreams, verschrieben.
Irgendwie so lautete die Beschreibung irgendwo auf einer Seite
im Netz. Da es gratis war, ich Zeit und Lust hatte, ging ich
da hin. Meine Schwester, ebenfalls Abonnentin und Beschenkte,
kam gleich mit.
Nach unserem panischen Lass-uns-ja-nicht-zu-spät-kommen-Gerenne
quer durch die halbe Stadt, setzten wir uns an diesen einen Tisch
zwischen Kasse und Toiletteneingang um die 90 Minuten, die wir
zu früh dran waren, mit Leutebeobachten und Flyerstudieren
totzuschlagen. Uns fiel auf, dass wir zur Abwechslung mal zu
den jüngsten Besuchern gehörten. Um uns rum waren lauter
Menschen mittleren Alters, die sich mit Weingläsern in der
Hand in moderatem Ton (das geht anscheinend auch) unterhielten.
Und ja, mir gefiel, was ich da erblicken durfte. Kein Gedrängel,
Gegröle und Geschreie. Es wurden keine Posen geschmissen,
keine Titten zum Décolleté rausgehängt. Alles
cool und entspannt, irgendwie erwachsen halt.
Ebenso verhielt es sich dann beim Konzert
selber. Alle standen sie da mit ihrem Wein und wippten sachlich
mit den Füssen und nickten engagiert mit dem Kopf und hatten
Spass. Vier ganz Enthusiastische wagten sich sogar an den Bühnenrand
und schüttelten hie und da ihr schütteres Haar, wenn
die Gitarrenriffs es verlangten. Aber das Beste war der Platz,
der für alle da war und nicht hart erkämpft und verteidigt
werden musste. Keine fremden Ellbogen und Hände, welche
durch ihr Geschupse und Vorbeigepresse die Nachgiebigkeit und
Duktilität meines Busens und Hintern testeten. Niemand,
der mir, oh sorry, seinen Hinterkopf ins Gesicht schlug. Keine
hysterische Kuh, die mir ihre Nägel in den Rücken rammte,
weil sie nichts sehen konnte. Nee, nichts dergleichen. Ich konnte
dastehen, meinen Arm ganz ausstrecken und mich um meine eigene
Achse drehen, ohne auch nur ein fremdes Haar oder T-Shirt zu
berühren. Meine Tasche deponierte ich in einem Meter Entfernung
irgendwo auf dem Boden. Keiner machte auch nur die kleinste Anstalt,
sie von dort entwenden zu wollen, um sich an ihrem Inhalt zu
bereichern. Auch stolperte niemand darüber. Und ja, die
Musik, die war auch nicht schlecht.
Was soll ich sagen, es gibt es also doch,
ein Konzertleben nach 40. Gut zu wissen. Danke liebe Schüür.
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