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V.A.: "Cheatin' Soul" | Trikont
/ recrec
Seele
"Cheatin' Soul" folgt der
Devise, dass gebrochene Herzen den leidenschaftlichsten Soul
singen. Die Compilation versammelt zu Songs gewordene Beziehungsdramen
aus dem Süden Amerikas.
Von Ralph Hofbauer.
Die Frage, was Soul sei, sollte man einem
Soul-Sammler besser nicht stellen. Er wird sich in Abschweifungen
darüber verlieren, was nun genau den zuckrigen Detroit-Soul
vom discoverliebten Philly-Soul unterscheidet und den wiederum
vom klagenden Southern-Soul. Es werden Namen wie Motown, Tamla
und Stax fallen und man wird nur Bahnhof verstehen. Dabei wäre
die Frage viel einfacher tautologisch zu beantworten: Soul ist
Musik, die berührt, weil sie Seele hat.
Dass der Soul des Südens die dunkelsten
Seelenkräfte offenbart, muss am Blues und der düsteren
Vergangenheit der Südstaaten liegen. "Cheatin' Soul"
versammelt 23 Beispiele dieses leidenschaftlichen Scheiterns
an der Liebe, doch das Feuer, mit dem lamentiert wird, lässt
vermuten, dass es hier um weit mehr geht, um das Scheitern an
der Existenz, ums nackte Überleben, um gesellschaftliche
Freiheit. "Take away these chains that are binding me"
fleht beispielsweise Joe Tex.
Das Label Trikont hat wieder mal ganze Arbeit
geleistet und bleibt seinem Ruf treu, sowohl Humor als auch Geschmack
zu besitzen und zugleich mit archäologischer Präzision
Funde aus der Musikgeschichte freizulegen. Die Auswahl der Musiker
konzentriert sich auf Sängerinnen und Sänger, die nie
über ihren Legendenstatus in den Südstaaten hinauskamen
und im Rest der Welt im Schatten der Säulenheiligen Marvin
Gaye, Al Green und Otis Redding standen. Unverdient, wie zum
Beispiel O.V. Wright oder Ann Peebles zeigen, die während
ihrer Karriere zweifellos einige der schönsten Soulalben
überhaupt aufgenommen haben. Ans Herz geht auch Bobby Blue
Bland, der predigende Dandy, der jeweils auf der Bühne sein
Taschentuch auszubreiten pflegte, bevor er auf die Knie fiel.
Wenn das mal nicht Leidenschaft mit Stil ist.
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