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Smog: "A River Ain't Too Much To Love"
| Domino / Musikvertrieb
I haven't changed
Wer immer noch glaubt, Smog sei schädlich,
der soll es endlich einsehen: Smog ist lebenswichtig - zumindest
für Menschen, die damit nicht in erster Linie Atemnot, sondern
Songwriting mit Tiefgang assoziieren.
Von Ralph Hofbauer.
Auf Bill Callahan alias Smog ist Verlass.
Alle ein, zwei Jahre schenkt einem dieser Mann einen Rettungsring
in Form einer Langspielplatte, die einem das eigene Leben erklärt.
Von Smog kann man nicht enttäuscht werden und wenn doch,
dann nur leise. Schliesslich schlug der Amerikaner auf seinen
11 Alben keinen einzigen lauten Ton an. Dies tut er auch auf
"A River Ain't Too Much To Love" nicht - ebenso
wenig wie enttäuschen. "I haven't changed" singt
er denn auch.
Was oberflächlich als langweilige Lagerfeuerromantik
verschrien werden könnte, ist sprachgewaltige Lagerfeuerpoesie
unter dem Deckmantel des Unspektakulären. Smog schreibt
nicht einfach nur Songs, er vertont Gedichte, die einer eigentümlichen
Logik von Klang und Wort folgen, denn sein subtiles Timing des
Erzählens verleiht seinen bescheiden instrumentierten Songs
eine eigentümliche Spannung. Callahan textet den Hörer
nicht zu, sondern lässt Zeile für Zeile im Raum stehen
und wirken. Dadurch ergeben sich Szenerien, die sich Bild für
Bild intensivieren, aber auch überraschende Sinnverdrehungen,
wenn sich die lyrischen Falltüren der Smog'schen Ironie
auftun. Hat man Mitleid mit dem armen Kerl, zieht er einem den
Boden unter den Füssen weg und lässt einem wissen,
dass er dies alles nicht so ernst meint - oder eben doch.
Wartet man auf den absehbaren Reim oder den naheliegendsten Schlussakkord,
bringt Bill Callahan einem mit einer überraschenden Wendung
zum Schmunzeln. Oder zum Weinen. Tragik und Komödie liegen
hier so nahe, dass man glaubt, in diesen Songs einen Schimmer
jener unauflösbaren Widersprüche zu erhaschen, die
unseren Alltag dominieren.
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