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Famara: "Double Culture" | Musikvertrieb
Peter Reber in Äthiopien
Nach Phenomdens Mundart-Sensation
ist auch schon der zweite bedeutende Schweizer Reggae Head zur
Stelle, um vom Boom zu profitieren. Das wird kaum gelingen.
Von Gregor Frei.
Was gibt es alles für Klischees, die
man dem Reggae immer wieder vorwirft: Kitschig, müde, langweilig,
unendlich gleichförmig. Famara, mit bürgerlichem Namen
Thomas Nikler, geboren in Belgien, wohnhaft in Basel, im Herzen
auf der ganzen Welt, bestätigt mit seinem vierten Album
gleich alle diese Klischees. Zwar gibt sich der Weltbürger
alle Mühe, nicht an der Einfallslosigkeit zu scheitern,
aber dadurch wirkt alles nur noch langweiliger. Da gibt es Scratches,
elektronische Stimmverzerrungen, akustische Gitarren, Dancehall-riddims
und eine ganze Reihe Instrumente aus dem schwarzen Süden,
und das Resultat ist trotzdem Langeweile. Warum? Weil nicht zuletzt
im Reggae weniger mehr ist.
Mit einem "Fire!" wird die Scheibe
eröffnet. Leider kann Famara dieses Versprechen bis zum
Schluss nicht einhalten. Die Riddims dümpeln ganz angenehm
vor sich hin, die Melodien wissen teilweise zu gefallen, mehr
aber auch nicht. Es ist der Unterschied zwischen einem Feuer
und einem Fluss: Den Fluss betrachtet man gerne, gefesselt wird
der Blick aber nur mit dem Feuer. Famaras Musik ist Wasser, aber
keine Flamme. Und Reggae, der den Blick nicht fesseln kann, bzw.
der nicht hypnotisiert, ist kein guter Reggae. Das ist plätschernde
Worldmusic.
Famara schafft es recht authentisch, das Wesen
afrikanischer Musik mit vollster Inbrunst wiederzugeben, dennoch
bleibt alles belanglos. Die Leidenschaft, die Kraft, die Dynamik
fehlen. Und Hawaii-Gitarren und Marimbas erinnern unweigerlich
immer wieder an Peter Reber, der in Äthiopien einer Frau
seine Liebe beweisen will. Eine engagierte CD, die an ihrem Kitsch
scheitert. Phenomden macht's besser.
Live:
9.7.05, Adelboden, Vogellisi Festival
23.7.05, Kiental, Open Air im Kiental
31.7.05, Attalens, Festival des Marais
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