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Interview mit Thirteen Senses
"Es ist durchaus schmeichelhaft mit einer Band
wie Coldplay verglichen zu werden."
Sie haben dasselbe Plattenlabel, werden
in dieselbe Schublade gesteckt und sind gleichermassen bescheiden:
Thirteen Senses aus Cornwall könnten dieses Jahr das werden,
was Keane letztes Jahr waren - Englands grösste Popsensation.
Ein Gespräch über das Berühmtwerden, den Umgang
mit Journalisten und die musikalischen Freiheiten bei einem Major
Label.
Von David Bauer und Patricia Senn (Fotos).
Die Geschichte der vier Jungs aus Cornwall
im Südwesten von England liest sich wie ein wahr gewordener
Traum tausender Schülerbands: Ein unauffälliger Junge
schreibt im zarten Alter von 16 Jahren Songs in seinem stillen
Kämmerlein, bis ihn einer seiner Freunde dazu überredet,
eine Band zu gründen und das eine oder andere Stück
vorzutragen. Die Geschichte nimmt ihren Lauf, als ein Demotape
bei den Talentspähern des Branchenriesen Universal Music
landet und auf offene Ohren stösst. Im Herbst 2004 erschien
ihr Debutalbum "The Invitation" in England, rund ein
halbes Jahr später kommt auch die Schweiz in den Genuss.
Das Netzmagazin hat Thirteen Senses vor ihrem Gig im Zürcher
Abart getroffen.
Das Netzmagazin: Wenn Journalisten über
eine neue Band schreiben müssen, ziehen sie als erstes Vergleiche
mit bekannten Bands. In eurem Fall wären das zum Beispiel...
Brendon: (unterbricht) Yeah, Slipknot
Oder auch Coldplay und Keane...Hasst ihr
solche Vergleiche, oder findet ihr sie hilfreich, solange ihr
noch nicht so berühmt seid?
Tom: Das passiert automatisch und ist auch
in Ordnung zu Beginn. So können sich die Leute wenigstens
etwas darunter vorstellen, wenn sie einen Artikel über uns
lesen.
Brendon: Solange man nur eine Single hat,
wird man immer nur auf diese reduziert. In England (wo ihr Album
schon vergangenen Herbst veröffentlicht wurde, d. Verf.)
ist es schon viel besser geworden, die Artikel beginnen nun eher
mit "Man könnte meinen, sie klingen wie Coldplay, aber..."
Adam: Es ist ja durchaus schmeichelhaft mit
einer Band wie Coldplay verglichen zu werden.
Spätestens mit dem zweiten Album sollten
sich die Vergleiche aber gelegt haben?
Alle: Definitiv!
Ich habe eure "Performance" in
Basel gesehen - ein 5-Song Playback Showcase des lokalen Radiosenders.
Ist das auch so etwas, das man über sich ergehen lassen
muss, wenn man auf dem Weg nach oben ist?
Brendon: Natürlich will man sich nicht
verkaufen, wir machen schon nicht einfach alles mit. Eigentlich
war es der lustigste Abend seit wir als Band touren. Zuerst sagte
man uns, es würde auf TV übertragen, dann wurde daraus
eine Radioaufnahme vor 50 Leuten und als wir schliesslich dort
ankamen, war es ein Gig und 1000 Leute waren gekommen. Und wir
hatten keine Ausrüstung dabei. Ich weiss nicht, ob wir so
was nochmals machen würden.
Tom: Vielleicht hat es aber schon etwas gebracht
und das nächste Mal wenn wir dort spielen, kommen noch mehr
Leute.
Vor ziemlich genau einem Jahr haben
wir hier im Abart Keane interviewt, kurz bevor sie richtig durchstarteten.
Ihr seid nun wohl auch bald soweit...
Tom: Oh, fingers crossed...
Wie fühlt Ihr euch denn nun? Habt
ihr euch das so vorgestellt?
Tom: Das Hauptziel ist wohl, viele Alben zu
produzieren und von der Musik leben zu können. Natürlich
hoffen wir auch, dass es noch grösser wird.
Brendon: Wir haben schon Ziele. Einmal im
Wembley spielen. Oder als Vorgruppe von U2. Man setzt sich solche
Wunschziele, aber man muss sie nicht zwingend erreichen. Wir
sind einfach glücklich, das machen zu können, was wir
tun und dass alles so gut für uns läuft.
Adam: Es ist ein Unterschied, ob man sich
wünscht, dass die eigene Platte millionenfach verkauft wird
oder ob man meint, es sei das Einzige, was zählt. Wir müssen
nicht unbedingt 28 Millionen Alben verkaufen. Es sollte einfach
jeder eine Chance kriegen, uns zu hören und dann zu entscheiden,
ob er uns mag oder nicht. Wenn niemand uns mag: fair enough.
Dann passt ihr eure Ziele einfach den jeweiligen
Umständen an?
Tom: Ja, irgendwie schon. Ich glaube, das
erste Ziel ist immer besser zu werden. Solange wir merken, dass
wir besser werden, ist es gut. Im Moment scheint es sehr gut
zu laufen.
Adam: Es ist cool, nach Europa zu kommen,
als könnten wir nochmals von vorne beginnen mit dem, was
vor zwei Jahren in England angefangen hat. Wir kriegen quasi
eine zweite Chance, um all die Dinge richtig zu machen, die wir
bei uns zu Hause noch nicht so recht hingekriegt haben.
Dafür stellen jetzt die europäischen
Journalisten nochmals dieselben Fragen, die ihr den englischen
Journalisten schon vor zwei Jahren beantwortet habt...
Tom: Gewisse Fragen wiederholen sich natürlich und werden
auch auf eine von uns bestimmte Weise beantwortet.
Brendon: Es kommt aber immer auch auf den
Interviewer an: Je nachdem, wie du antwortest, werden manche
einen sehr guten Artikel schreiben, andere einen sehr schlechten.
Deshalb macht es schon Sinn, zu versuchen, gute Antworten zu
geben; egal ob man Interviews mag oder nicht.
Tom: Eigentlich mag ich Interviews sehr. Ist
doch schön, wenn sich Leute für uns interessieren.
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Passiert es euch, dass euch ein Interviewer
überfordert?
Tom: Ich musste mal ein Interview geben für
ein holländisches Teenmagazine, die haben sehr seltsame
Fragen gestellt. Wie lang ist dein Penis, welche Unterwäsche
trägst Du gerade? Fragen wie: Würdest Du lieber Sex
im Treppenhaus oder im Flugzeug haben?
Adam: Das sind eigentlich alles Fragen, mit
denen man umgehen könnte. Schwierig ist es dann, wenn man
keine Ahnung hat, was man antworten soll. Ich hatte mal ein Interview
mit einem Modemagazin und war nicht darauf vorbereitet, über
mein Lieblings-Seidenhemd zu sprechen oder den Prozess bei der
Auswahl einer Jeanshose am Morgen...
Was sollen denn die Journalisten über
euch schreiben?
Brendon: Dass wir vier sehr entspannte, normale
Jungs sind, die Musik lieben
Tom muss zu VIVA Interaktiv, ohne Dusche,
alle versichern ihm, dass er ok aussieht. Er verabschiedet sich
freundlich.
Adam: Wir wollen eigentlich nicht einer bestimmten
Szene zugeordnet werden. Wir möchten Musik machen, die anderen
auch gefällt. Es geht eigentlich vor allem um Musik.
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Wenn Interviews locker und ungezwungen
verlaufen, so erhält man manchmal
urplötzlich Antworten, nach denen man eigentlich gar nicht
gefragt hatte:
Brendon: Tom ist Single, vielleicht wollt
Ihr das ja wissen. (lautes Gelächter)
Das Netzmagazin: Tom, wie soll sie denn sein?
Brendon: Mindestens halb so gross wie er.
Tom: Oh, ich weiss nicht, solche Dinge verwirren
mich...generell langes Haar.
Brendon: Was, überall? (lautes Gelächter)
Tom: Ja ich mag sehr stark behaarte Frauen.
(lautes Gelächter)
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Hat die britische Presse noch nie versucht,
genau davon abzulenken und
euch ein bestimmtes Label zu verpassen?
Adam: Doch. Unser erstes Interview mit dem
NME verlief so, dass jede Frage nur darauf abzielte, uns etwas
Kontroverses zu entlocken, während wir versuchten, einfach
nur nett zu sein. Am Ende stand in der Zeitung, wir wollten Fred
Durst erschiessen und nehmen alle Heroin. Das war so ungefähr
das Erste, was man über uns lesen konnte. Dabei sind wir
wohl alles andere als kontrovers.
Brendon: Ich meine, wir waren heute einfach
Touristen in Zürich, haben uns Hüllen für unsere
Laptops gekauft. Das ist ungefähr was wir tun...ziemlich
normal. Uns erkennt auch keiner auf der Strasse.
Habt ihr schon Ideen oder gar Songs für
ein neues Album?
Brendon: Wir haben ein paar Songs, ungefähr
vier, aber seit wir touren hatten wir nicht wirklich Zeit, daran
zu arbeiten. Wir freuen uns schon darauf, nach Hause zu kommen
und weiter zu machen, auch wenn wir vielleicht einfach alles
über Bord werfen und ganz neu beginnen. Das erste Album
ist nun mal eher kommerziell, es hat sich einfach so entwickelt,
aber beim nächsten möchten wir schon ein wenig experimentieren.
Wir möchten uns da nicht zu sehr nach einem Zielpublikum
richten.
Euer Plattenlabel Universal wird euch dazu
bestimmt auch noch den einen oder anderen "Tipp" geben...
Adam: (imitiert einen Labelmanager) "Yeah,
but where's the hit?" (lacht)
Glaubt ihr wirklich, dass sie euch die
Freiheit geben werden, alles zu tun, worauf ihr Lust habt musikalisch?
Bredon: Ja, das war unter anderem ja auch
der Grund, warum wir uns für sie entschieden haben. Sie
scheinen daran zu glauben, dass wir das Zeug dazu haben, es auch
alleine zu schaffen. Sie mischen sich gar nicht wirklich ein
bei unserer Arbeit, abgesehen vom Geldfluss natürlich. Sie
sind eher so was wie "overviewer", sie meckern nicht
ständig rum, sie geben einfach Tipps. Wir haben immer das
letzte Wort, und das ist wirklich gut so.
Also lernt ihr Universal als eine Art high-budget
Indie-Label kennen?
Adam: Wir kriegen irgendwie von beidem das
Beste: Einerseits ist Universal ja offensichtlich ein riesiges
Unternehmen, was natürlich ein grosser Vorteil ist, wenn
man viele Platten verkaufen will. Andererseits gibt es auch in
dieser grossen Firma einige Leute, denen die Musik noch immer
wichtiger ist als das Geld, und die es vorziehen, ein gutes Album
zu machen, anstatt einfach nur eins, das sich gut verkauft. Es
ist gut zu merken, dass man uns nicht einfach in die Pop-Ecke
schieben will.
www.thirteensenses.com
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