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Wir sind Helden | X-tra Zürich | 29.
April 2005
Pompöser Indie-Hallen-Pop
Von Philipp Albrecht und Caroline Gimpel (Fotos).
Es war ein wunderschöner Frühlingstag,
dieser Freitag, der 29. April 2005. Den ganzen Tag lang schien
die Sonne, die Temperaturen stiegen über 20 Grad Celsius
und am Abend standen Helden auf der Bühne des Zürcher
X-tra. Man hätte sich gewünscht, noch nie zuvor etwas
von Wir sind Helden gehört zu haben, keine Zeile, keinen
Ton. Denn was das grosszügig zahlende Publikum zu sehen
und hören bekam war so frisch und stark, dass man nach dem
Auftritt allzu gerne hinausgegangen wäre und die Worte "Die
Welt hat neue Helden" herum posaunt hätte.
Aber man kennt sie ja inzwischen, hat viel
gelesen, Songs im Radio gehört und die Schnauze voll bekommen
vom ewigen neue- Neue- Deutsche- Welle- Geschwätz. Diese
Band wurde so sehr gepusht, gelobt und schubladisiert, dass man
sich schon fast angewidert abwenden wollte. Und tatsächlich
war es dann auch so, dass man sich an einem Pop-Konzert wähnte.
Wer sich eben vorzugsweise an kleineren Indie-Konzerten aufhält
und den kleineren Kreis vorzieht, fühlt sich an einem Helden-Auftritt
anfänglich überfordert. So viel Licht, so laut und
die stetig springende und betrunkene Spassgesellschaft vor der
Bühne. Das geht an die Nieren.
Doch schnell ging die Meute vergessen. Auf
der Bühne spielen sich rührende Szenen ab. Eine sichtlich
amüsierte Judith Holofernes schwingt fröhlich die Hüften,
spielt zugleich routiniert und verspielt Gitarre und singt fast
schon schreiend. Links neben ihr, steht das zweitwichtigste Bandmitglied
Jean-Michel Tourette, abwechselnd mit Gitarre und Keyboard. Tourette
sucht wiederholt den Kontakt mit dem Publikum, reisst ironisch
Posen und deutet schwermetallische Gitarrenriffs an. Bassist
Mark Tavassol spielt sowohl Bass als auch eine treibend-funkige
Rhythmusgitarre. Eine wahrlich grosse Show, ist man versucht
zu sagen, wären da nicht diese Tontechniker, die es bis
zur Hälfte des Abends nicht zustande bringen Holofernes'
Stimme so zu regeln, dass man versteht, was sie singt. Der Meute
war's wohl egal. Lauthals schrieen sie mit, zuweilen gar nur
mit Rhythmusbegleitung: "Sie haben uns ein Denkmal gebaut
/ Und jeder Vollidiot weiss dass es die Liebe versaut".
Rund 100 Minuten lang bieten Wir sind Helden
pompösen Hallenpop, obwohl sie doch nach wie vor in der
Indie-Ecke zuhause sein wollen. Ein Widerspruch, der keiner ist,
weil sie live die Brücke schlagen können, die sie brauchen,
um kommerziell und gleichzeitig Indie sein zu können. Eine
Trophäe, die sich nicht wenige Bands wünschen.
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