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Talking Heads | Remain in Light | Sire
Tanzabend im Irrenhaus
Dieses Album ist das schlagkräftigste
Argument gegen die Behauptung, The Rapture und Konsorten seien
innovativ, weil sie unter der Discokugel rocken. Funk und Rock
vermählten Brian Eno und David Byrne mit den Talking Heads
bereits 1980.
Von Ralph Hofbauer.
"Remain in Light" markiert einen
Wendepunkt in der Popmusik - plötzlich begann der Punk
dem Funk sein P zu leihen. Insbesondere in New York formierten
sich in der Folge immer mehr Bands, die bezüglich dieser
beiden Stilrichtungen keine Berührungsängste kannten.
Die stark in der New Yorker Kunstszene verhafteten Talking Heads
zeigten sich auf ihren Frühwerken noch von New Wave inspiriert,
bis sie mit diesem Album einen der durchgeknallten Entwurf von
Dance-Music wagten. Unterstützt vom Bassisten der Funk-Pioniere
Parliament Bernie Worrell wird hier im Spannungsfeld zwischen
Tanzfläche und Wahnsinn zu seltsamen Melodien gegroovt.
Mit Genre-Begriffen ist dieser Musik nicht beizukommen. Zu quer
liegen hier alle Teile zu einander, zu glitschig mäandern
die Klangcollagen auf der ersten Seite der LP. Ein akustischer
Dschungel aus Stimmen, Bläsern, Gitarren, Bässen, Congos
durch den man im Schnellzugtempo rast. Reizüberflutung auf
Seiten des Hörers.
Etwas entspannter ist die B-Seite, jedoch
nicht weniger schizophren. Die Party geht langsam zu Ende, man
macht sich's gemütlich im Irrenhaus. Allmählich beginnt
sich die Klangatmosphäre aus dem schwülen Urwald in
kalte Industriegebiete zu verlagern. Die organischen Bestandteile
sterben allmählich ab und übrig bleiben urbane elektronische
Soundscapes, mit denen die Talking Heads am Ende der Platte so
quasi im Vorbeigehen Ambient erfinden.
Sollte man haben, nur schon wegen dem digital
entfremdeten Artwork aus dem Steinzeitalter des Computers. Ein
Stück Kunstgeschichte.
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