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Nr. 131 / Mai 2005

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Talking Heads

 

Talking Heads | Remain in Light | Sire
Tanzabend im Irrenhaus

Dieses Album ist das schlagkräftigste Argument gegen die Behauptung, The Rapture und Konsorten seien innovativ, weil sie unter der Discokugel rocken. Funk und Rock vermählten Brian Eno und David Byrne mit den Talking Heads bereits 1980.

Von Ralph Hofbauer.

"Remain in Light" markiert einen Wendepunkt in der Popmusik - plötzlich begann der Punk dem Funk sein P zu leihen. Insbesondere in New York formierten sich in der Folge immer mehr Bands, die bezüglich dieser beiden Stilrichtungen keine Berührungsängste kannten. Die stark in der New Yorker Kunstszene verhafteten Talking Heads zeigten sich auf ihren Frühwerken noch von New Wave inspiriert, bis sie mit diesem Album einen der durchgeknallten Entwurf von Dance-Music wagten. Unterstützt vom Bassisten der Funk-Pioniere Parliament Bernie Worrell wird hier im Spannungsfeld zwischen Tanzfläche und Wahnsinn zu seltsamen Melodien gegroovt. Mit Genre-Begriffen ist dieser Musik nicht beizukommen. Zu quer liegen hier alle Teile zu einander, zu glitschig mäandern die Klangcollagen auf der ersten Seite der LP. Ein akustischer Dschungel aus Stimmen, Bläsern, Gitarren, Bässen, Congos durch den man im Schnellzugtempo rast. Reizüberflutung auf Seiten des Hörers.

Etwas entspannter ist die B-Seite, jedoch nicht weniger schizophren. Die Party geht langsam zu Ende, man macht sich's gemütlich im Irrenhaus. Allmählich beginnt sich die Klangatmosphäre aus dem schwülen Urwald in kalte Industriegebiete zu verlagern. Die organischen Bestandteile sterben allmählich ab und übrig bleiben urbane elektronische Soundscapes, mit denen die Talking Heads am Ende der Platte so quasi im Vorbeigehen Ambient erfinden.

Sollte man haben, nur schon wegen dem digital entfremdeten Artwork aus dem Steinzeitalter des Computers. Ein Stück Kunstgeschichte.


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