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Milestone: New Order
One Hit Wonder
Kaum eine Band wird so oft auf einen Song
reduziert wie New Order. Obwohl so ziemlich jeder an einer 80's-Party
oder in der Dorfdisco schon mal zum Synthiepop-Klassiker "Blue
Monday" getanzt hat, waren New Order als Bandname im kollektiven
Musikgedächtnis lange weniger präsent, als andere Chartbraker
der 80er.
Von Ralph Hofbauer.
Doch zu grossen Teilen ist das auch New
Orders Schuld, veröffentlichten sie doch "Blue Monday"
in grösseren Abständen gleich mehrmals. In den Neunzigern
wurde es schliesslich still um die vier Working-Class-Jungs aus
Manchester. Als vor vier Jahren jedoch ihr bislang letztes Albums
"Get Ready" erschien, war sich die Musikpresse einig,
dass New Order auf dem von ihr gewarteten Referenzen-Karussell
etwas zu kurz gekommen sind. Das Vorurteil des One Hit Wonders
wurde entkräftigt, die Musikgeschichte wird gegenwärtig
in mehreren Filmen über die Band aufgearbeitet und man liest
ihren Namen im Zusammenhang mit Youngsters wie Phoenix, Soulwax,
Interpol & Co. Die Frage ist nur, welche New Order-Ära
dabei impliziert wird. Die des 20. oder des 21. Jahrhunderts?
Synthie- oder Gitarrenpop?
Angefangen hat damals Ende der 70er eigentlich
alles mit der Initialzündung Punk und der Gründung
von Joy Division, die man ja auch gerne herbeizitiert, wenn guter
Gitarrenrock verglichen werden soll. Aus den Trümmern dieser
Band formierten sich nach dem Selbstmord von Ian Curtis 1981
New Order. Sie erhoben sich allerdings nicht gleich wie Phoenix
aus der Asche, sondern suchten zu Beginn vor allem einen eigenen
Sound, den sie dann erst 1983 mit dem zweiten Album "Power
Corruption & Lies" irgendwo zwischen Kraftfeld, Italo-Disco
und The Smiths fanden. Blue Monday wird kurze Zeit später
die Meistverkaufte Maxi aller Zeiten, aber trotzdem schaffen
es New Order in der Folge, sich dem Starrummel zu entziehen.
Sie pflegen fortan ein Image ohne Gesicht und geben sich Foto-
und Interviewscheu. Sicherlich auch einer der Gründe, warum
die Bandmitglieder Bernard Sumner, Gillian Gilbert, Peter Hook
und Stephen Morris lange Zeit mehr Phantome als Stars waren.
Diesen Charakterzug der physischen Absenz haben New Order bis
heute beibehalten, so liessen sie beispielsweise im Video zur
Hitsingle "Crystal" vom Eingangs angesprochenen Comeback-Album
an ihrer Stelle die fingierte Band "The Kills" auftreten,
die das "The" und den Style der Bands vorwegnahm, die
Musikzeitschriften in den letzten Jahren zu Modemagazinen werden
liessen (übrigens haben auch die aktuellen, wirklich musizierenden
"The Kills" ihren Namen aus besagtem Video).
Mit "Crystal" schafften New Order
eine Reinkarnation als wegweisende Gitarrenband und verwendeten
fortan Elektronik weniger vordergründig, als auf ihren Meilensteinen
aus den 80ern Lowlife, Brotherhood und Technique. Obwohl sie
auch schon auf gewissen Songs dieser Alben dem Gitarrenpop fröhnten,
war der elektronische Beat damals eines ihrer Hauptstilmittel,
während sie heute ganz einfach eine tighte Rockband sind,
die ab und an mit Elektronik experimentiert. Beide Ansätze
haben wohl zu gleichen Teilen zum späten Ruhm von New Order
beigetragen. "Blue Monday" werden sie wohl aber trotzdem
nicht los, auch wenn sie mittlerweile auf anderen Pfaden wandeln.
Neues Album "Waiting for the Siren's
Call" (Warner)
Schiffbruch oder Autounfall?
"Waiting for the Siren's Call" klingt
nicht, als würden New Order lethargisch auf die Lockrufe
der Sirenen warten, sondern als würden aufbrechen, um sie
zu suchen. Dies täte man ja wohl in der Regel mit einem
Schiff, um dann Schiffbruch zu begehen. Doch ein Auto scheint
mir in diesem Fall akkurater, mit dem man dann halt eine Klippe
runterstürzen würde, denn irgendwie macht diese Platte
Lust auf übermütiges Autofahren, auch wenn man keins
hat. Am besten vorbei an den Leuchtreklamen von Las Vegas oder
vielleicht auch mal entlang einer Küstenstrasse. Pop also,
denn der war ja schon seit seinen Jugendjahren immer in Bewegung
und auf der Suche nach was Neuem - bloss weg von hier, Baby.
Es wird in diesem Kontext gerne in Mobilitätsmetaphern gesungen,
so auch hier. Unerträglich poppig wird dieses Album allerdings
selten, zu präsent sind New Order als Soundtüftler.
Vom Punk, mit dem damals bei Joy Division alles begann, ist nicht
mehr viel zu spüren, lediglich der letzte Song scheint eine
Hommage an diese Zeit und man kann wieder mal feststellen, welchen
Verflachungserscheinungen ehemals revolutionäre Musikstile
ausgesetzt sind. Auch in der Disco stehen New Order heute höchstens
noch am Rande rum. Und trotzdem beginnen sie manchmal mit den
Füssen zu wippen, im Wissen, dass der eine oder andere Track
dieses Albums auch die heutigen Tanzflächen noch rocken
könnte.
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Diskografie
Movement
(1981) |
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Power,
Corruption & Lies
(1983) |
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Low
Life
(1985) |
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Brotherhood
(1986) |
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Technique
(1989) |
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Republic
(1993) |
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Get
Ready
(2001) |
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