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Nr. 131 / Mai 2005

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Milestone: New Order
One Hit Wonder

Kaum eine Band wird so oft auf einen Song reduziert wie New Order. Obwohl so ziemlich jeder an einer 80's-Party oder in der Dorfdisco schon mal zum Synthiepop-Klassiker "Blue Monday" getanzt hat, waren New Order als Bandname im kollektiven Musikgedächtnis lange weniger präsent, als andere Chartbraker der 80er.

Von Ralph Hofbauer.

 

Auf dieser Seite:
Neues Album "Waiting for the Siren's Call"
Diskografie
Doch zu grossen Teilen ist das auch New Orders Schuld, veröffentlichten sie doch "Blue Monday" in grösseren Abständen gleich mehrmals. In den Neunzigern wurde es schliesslich still um die vier Working-Class-Jungs aus Manchester. Als vor vier Jahren jedoch ihr bislang letztes Albums "Get Ready" erschien, war sich die Musikpresse einig, dass New Order auf dem von ihr gewarteten Referenzen-Karussell etwas zu kurz gekommen sind. Das Vorurteil des One Hit Wonders wurde entkräftigt, die Musikgeschichte wird gegenwärtig in mehreren Filmen über die Band aufgearbeitet und man liest ihren Namen im Zusammenhang mit Youngsters wie Phoenix, Soulwax, Interpol & Co. Die Frage ist nur, welche New Order-Ära dabei impliziert wird. Die des 20. oder des 21. Jahrhunderts? Synthie- oder Gitarrenpop?

Angefangen hat damals Ende der 70er eigentlich alles mit der Initialzündung Punk und der Gründung von Joy Division, die man ja auch gerne herbeizitiert, wenn guter Gitarrenrock verglichen werden soll. Aus den Trümmern dieser Band formierten sich nach dem Selbstmord von Ian Curtis 1981 New Order. Sie erhoben sich allerdings nicht gleich wie Phoenix aus der Asche, sondern suchten zu Beginn vor allem einen eigenen Sound, den sie dann erst 1983 mit dem zweiten Album "Power Corruption & Lies" irgendwo zwischen Kraftfeld, Italo-Disco und The Smiths fanden. Blue Monday wird kurze Zeit später die Meistverkaufte Maxi aller Zeiten, aber trotzdem schaffen es New Order in der Folge, sich dem Starrummel zu entziehen. Sie pflegen fortan ein Image ohne Gesicht und geben sich Foto- und Interviewscheu. Sicherlich auch einer der Gründe, warum die Bandmitglieder Bernard Sumner, Gillian Gilbert, Peter Hook und Stephen Morris lange Zeit mehr Phantome als Stars waren. Diesen Charakterzug der physischen Absenz haben New Order bis heute beibehalten, so liessen sie beispielsweise im Video zur Hitsingle "Crystal" vom Eingangs angesprochenen Comeback-Album an ihrer Stelle die fingierte Band "The Kills" auftreten, die das "The" und den Style der Bands vorwegnahm, die Musikzeitschriften in den letzten Jahren zu Modemagazinen werden liessen (übrigens haben auch die aktuellen, wirklich musizierenden "The Kills" ihren Namen aus besagtem Video).

Mit "Crystal" schafften New Order eine Reinkarnation als wegweisende Gitarrenband und verwendeten fortan Elektronik weniger vordergründig, als auf ihren Meilensteinen aus den 80ern Lowlife, Brotherhood und Technique. Obwohl sie auch schon auf gewissen Songs dieser Alben dem Gitarrenpop fröhnten, war der elektronische Beat damals eines ihrer Hauptstilmittel, während sie heute ganz einfach eine tighte Rockband sind, die ab und an mit Elektronik experimentiert. Beide Ansätze haben wohl zu gleichen Teilen zum späten Ruhm von New Order beigetragen. "Blue Monday" werden sie wohl aber trotzdem nicht los, auch wenn sie mittlerweile auf anderen Pfaden wandeln.

Neues Album "Waiting for the Siren's Call" (Warner)
Schiffbruch oder Autounfall?

"Waiting for the Siren's Call" klingt nicht, als würden New Order lethargisch auf die Lockrufe der Sirenen warten, sondern als würden aufbrechen, um sie zu suchen. Dies täte man ja wohl in der Regel mit einem Schiff, um dann Schiffbruch zu begehen. Doch ein Auto scheint mir in diesem Fall akkurater, mit dem man dann halt eine Klippe runterstürzen würde, denn irgendwie macht diese Platte Lust auf übermütiges Autofahren, auch wenn man keins hat. Am besten vorbei an den Leuchtreklamen von Las Vegas oder vielleicht auch mal entlang einer Küstenstrasse. Pop also, denn der war ja schon seit seinen Jugendjahren immer in Bewegung und auf der Suche nach was Neuem - bloss weg von hier, Baby. Es wird in diesem Kontext gerne in Mobilitätsmetaphern gesungen, so auch hier. Unerträglich poppig wird dieses Album allerdings selten, zu präsent sind New Order als Soundtüftler. Vom Punk, mit dem damals bei Joy Division alles begann, ist nicht mehr viel zu spüren, lediglich der letzte Song scheint eine Hommage an diese Zeit und man kann wieder mal feststellen, welchen Verflachungserscheinungen ehemals revolutionäre Musikstile ausgesetzt sind. Auch in der Disco stehen New Order heute höchstens noch am Rande rum. Und trotzdem beginnen sie manchmal mit den Füssen zu wippen, im Wissen, dass der eine oder andere Track dieses Albums auch die heutigen Tanzflächen noch rocken könnte.

Diskografie

Movement
(1981)
Power, Corruption & Lies
(1983)
Low Life
(1985)

Brotherhood
(1986)
Technique
(1989)
Republic
(1993)

Get Ready
(2001)


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