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Nr. 131 / Mai 2005

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Sir Samuel | Vize Pli O | EMI
Gezähmter Melodie-Virtuose

Von Gregor Frei.

Sir Samuel ist so etwas wie das melodiöse Gewissen der Saïan Supa Crew. Schon manche Lieder der Pariser Übergruppe haben durch seinen Gesang zusätzliche Einzigartigkeit erfahren. Man durfte also grosse Hoffnungen in sein Solodebüt stecken. Leider werden sie nur teilweise erfüllt. Zwar legt Sir Samuel ein Werk voller Wärme und Leidenschaft an den Tag, doch man vermisst die für Saïan so typischen Achterbahnfahrten, die ausufernde Vielseitigkeit, die Frechheit einer flinken Zunge.

Vizé Pli O ist noch keine fünf Sekunden alt, als der erste Reggae-Chor einsetzt. Was eine Konstante des ganzen Albums einläutet: Sir Samuel hat den Rap in den Hintergrund gerückt, um umso mehr seiner Reggae-Vorliebe zu frönen. Diese lebt er mit spürbar grosser Freude und ernstem Engagement aus. Der Roots Reggae kommt mit all seinen Eigenheiten zur Geltung: Leidenschaftlicher Gesang, harmonische Bläsersätze und begleitende Frauenstimmen lassen eine äusserst aktive Leichtigkeit entstehen, die ihresgleichen sucht und trotzdem bodenständig bleibt. Sir Samuel scheut sich aber auch vor modernen Abzweigungen des Reggaes nicht: im mitreissenden "Coconuts" z.B. toastet er über einen drückenden Dancehall-Riddim, während im atmosphärischen "Vampires Vampaya" auf einem Hip Hop Beat Saïan-Kollege Leeroy und andere rappen. Der zweite Auftritt eines Saïan-Bruders ist denn auch gleichbedeutend mit dem Höhepunkt der Scheibe: Sir Samuel und Féfé spielen sich in "Je Fly" in ein einnehmendes und wohltuendes Universum der zuversichtlichen Schwerelosigkeit.

Eine solide Platte mit grosser musikalischer Klasse, wie es von einem Mitglied der Saïan Supa Crew erwartet werden kann. Gemessen am Saïan-Meisterwerk X-Raisons zwar ein bisschen zu arm an Überraschungen und teilweise zu gleichförmig. Mindestens für Reggae-Liebhaber aber auf jeden Fall empfehlenswert.

www.sirsamuel.net


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