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Sir Samuel | Vize Pli O | EMI
Gezähmter Melodie-Virtuose
Von Gregor Frei.
Sir Samuel ist so etwas wie das melodiöse
Gewissen der Saïan Supa Crew. Schon manche Lieder der Pariser
Übergruppe haben durch seinen Gesang zusätzliche Einzigartigkeit
erfahren. Man durfte also grosse Hoffnungen in sein Solodebüt
stecken. Leider werden sie nur teilweise erfüllt. Zwar legt
Sir Samuel ein Werk voller Wärme und Leidenschaft an den
Tag, doch man vermisst die für Saïan so typischen Achterbahnfahrten,
die ausufernde Vielseitigkeit, die Frechheit einer flinken Zunge.
Vizé Pli O
ist noch keine fünf Sekunden alt, als der erste Reggae-Chor
einsetzt. Was eine Konstante des ganzen Albums einläutet:
Sir Samuel hat den Rap in den Hintergrund gerückt, um umso
mehr seiner Reggae-Vorliebe zu frönen. Diese lebt er mit
spürbar grosser Freude und ernstem Engagement aus. Der Roots
Reggae kommt mit all seinen Eigenheiten zur Geltung: Leidenschaftlicher
Gesang, harmonische Bläsersätze und begleitende Frauenstimmen
lassen eine äusserst aktive Leichtigkeit entstehen, die
ihresgleichen sucht und trotzdem bodenständig bleibt. Sir
Samuel scheut sich aber auch vor modernen Abzweigungen des Reggaes
nicht: im mitreissenden "Coconuts" z.B. toastet er
über einen drückenden Dancehall-Riddim, während
im atmosphärischen "Vampires Vampaya" auf einem
Hip Hop Beat Saïan-Kollege Leeroy und andere rappen. Der
zweite Auftritt eines Saïan-Bruders ist denn auch gleichbedeutend
mit dem Höhepunkt der Scheibe: Sir Samuel und Féfé
spielen sich in "Je Fly" in ein einnehmendes und wohltuendes
Universum der zuversichtlichen Schwerelosigkeit.
Eine solide Platte mit grosser musikalischer
Klasse, wie es von einem Mitglied der Saïan Supa Crew erwartet
werden kann. Gemessen am Saïan-Meisterwerk X-Raisons
zwar ein bisschen zu arm an Überraschungen und teilweise
zu gleichförmig. Mindestens für Reggae-Liebhaber aber
auf jeden Fall empfehlenswert.
www.sirsamuel.net
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