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Nr. 131 / Mai 2005

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Afrob
 

Afrob über sein neues Album, sich selber und unsere Zeit
Heller geworden

Nach dem gemeinsamen Austoben mit Samy Deluxe auf der ASD-Scheibe Wer hätte das gedacht ist Afrob wieder alleine zurück: Ein bisschen fröhlicher als auf seinen Vorgängern Rolle mit Hip Hop und Made In Germany, aber auch nochmals eine Spur bissiger. Jedem Mikrofon grossen Respekt, welches das immer noch grosse Maul Afrobs überlebt. Hammer reisst Bäume aus, ohne dabei die Wurzeln zu verlieren.

Von Gregor Frei.

Afrob: Mit der Kraft eines Bären und der Bissigkeit eines Tigers
Das Netzmagazin: Afrob, wie hast du die Zeit zwischen der ASD-Tour und den Hammer-Aufnahmen verbracht?

Afrob: Nun, es war ziemlich ein fliessender Übergang. Ich habe bereits während der ASD-Tour nach neuen Beats Ausschau gehalten und ausgewählt. Danach habe ich sofort mit dem Aufnehmen begonnen. Ich gönnte mir keine Ruhephase.

Du bist jetzt schon gut 10 Jahre aktiv. Wie hat sich dein Zugang zum Rap verändert seit deinen Anfängen?

Ich gehe heute viel entspannter an die Musik. Ich seh' das ganze Ding nicht mehr so eng, nicht so eindimensional. Auch brauch' ich keine Selbstbestätigung mehr. Mein Ego ist gestellt, weisst du. Ich will zum Ursprung zurück, einfach Musik machen.

Made in Germany, deine letzte Soloplatte, wird gemeinhin als Verbocker deiner Karriere angesehen - du hingegen sagst im neuen Album "Ich liebe Made in Germany, gerade weil sich's nicht verkauft" - wie ehrlich ist diese Zeile?

Sehr ehrlich. Man kann das mit Kindern vergleichen: Wenn man drei Kinder hat und zwei davon sind beliebt, eines hingegen hat es ein bisschen schwieriger, ist es meistens genau dieses Kind, das man am liebsten hat. So ist es auch mit meinen bisherigen Releasen.

Trotzdem scheint auch eine gewisse Selbstkritik durch das Album: In "Soulmate" z.B. sagst du "Ich dachte mit Bescheidenheit komm' ich weit, wie naiv". Steht der Albumname Hammer auch für weniger Bescheidenheit?

Genau. Ich habe meine Fehler, die ich eingesehen habe, schon immer geäussert. Die Bescheidenheit ist ja eine gute Tugend, aber irgendwie will das niemand hören. Ich sage auch jetzt nicht "Ich bin der Beste", diesen Titel lass' ich mir lieber geben. Aber mit Hammer habe ich schon versucht, meine Bescheidenheit ein bisschen abzuschütteln.

Auffallend auf Hammer ist der Party-Hunger, der verglichen zu deinen Solo-Vorgängern ungemein deutlicher zum Vorschein kommt. Von wo kommt diese Kraft?

Ich hatte einfach Lust auf Facettenreichtum und auf diese Temposachen: auf Beats mit über 95 Bpm. Dazu wollte ich im Gegensatz zur dunklen Made in Germany viel mehr helle Klangfarben. Das sieht man z.B. ganz gut bei "Was weiss ich": Ich kenne fünfjährige Kinder, die zu diesem Lied bouncen. Das find' ich ok.

Dennoch scheint mir das Album zu einem bedeutenden Teil auch von düsterer Stimmung geprägt: In "WAS" beispielsweise schilderst du ein sehr tristes Vorstadtleben. Wie stark prägt dich diese Realität noch?

Ich bin halt so aufgewachsen, aber inzwischen ist es schon nicht mehr das Gleiche, ich bin ja nicht mehr auf der Strasse - das ist ein Scheiss-Leben, das ich nicht mehr will und ich zurückgeblieben finde. Viele meiner Freunde führen immer noch ein solches Leben, ich bin also immer noch sehr "close". Aber meins ist halt anders verlaufen. Was aber nicht heisst, dass die Bullen mein Handy nicht mehr abhören würden.

"Ich bin ja jetzt ein Rassist, weisst du."
Der grösste Unterschied zu deinen alten Sachen ist ein Thema, das dich früher auszeichnete, auf Hammer hingegen gänzlich ausbleibt: Der Rassismus. Dies in einer Zeit, in der die NPD ihre grössten Erfolge feiert. Ist dieses Problem für dich nicht mehr wichtig oder hast du es aufgegeben, es durch deine Texte zu bekämpfen?

Ich habe es probiert, aber übel Prügel bekommen. Ich bin ja jetzt ein Rassist, weisst du. Die deutschen Fans fühlen sich halt sehr schnell angegriffen, was dieses Thema anbelangt. Nach Made in Germany war ich abgestempelt. Natürlich gab es auch viele Leute aus meinem Umfeld, die mir sagten, dass ich ihnen mit meinen Texten helfen konnte. Die Mehrheit aber goutierte meine Schilderungen des Rassismus überhaupt nicht.
Es ist gut, dass die NPD in den Landtag gewählt wurde. Jetzt sehen die Leute, dass der Rassismus in Deutschland Realität ist und nicht die Erfindung eines verrückten Afrodeutschen. Und sie müssen sich damit auseinandersetzen.

Das Lied "Stopp die Party" ist ziemlich von negativer Aggressivität geprägt. Gegen wen richtet sich dieser Hass?

Es ist ein Hass gegen die VIP-Spassgesellschaft. Es geht ja nur darum, wer am meisten Lärm macht, nicht wer wirklich was zu sagen hat. Das Lied ist angelehnt an den Film "Falling Down" von Michael Douglas: Ein Typ, der auf der Suche nach Arbeit ist, dabei die Abgründe der modernen Gesellschaft zu sehen bekommt und schliesslich Amok läuft.
Ich finde es schlimm, wenn Leute sagen "Ich mache, was ich will". Diese Ich-zieh'-mein-eigenes-Ding-durch-Mentalität ist schlicht nicht zeitgemäss, weil sie immer auf Kosten anderer Leute geht.

Wie empfindest du persönlich dein neues Album Hammer?

Es ist modern, scharf und kantig. Ich renne nicht alten Zeiten nacht, sondern passe mich an. Der Sound muss drücken im Auto. Es ist einfach Rap. Von einem talentierten Rapper.

Was sagst du zum Vorwurf, es sei ein billiger Versuch, den US-Rap zu kopieren?

Ist mir scheissegal. Es geht mir um die Musik und in den USA hat's nun einmal die besten Producers. In Deutschland habe ich ja auch schon alle Produzenten durch, mit denen ich was machen wollte. Ausserdem habe ich mal gehört, dass Rap so ein "international thing" sei. Weiss halt nicht, ob das stimmt...

Wie beurteilst du denn die Entwicklung des deutschen Rap?

Es ist bereits viel mehr entstanden, als sich irgendjemand erhoffen konnte. Das finde ich gut. Das wichtigste am Hip Hop finde ich der soziale Aufstieg, der dadurch möglich ist. Das ist heute mehr denn je der Fall. Als wir angefangen haben, haben sie uns noch gefragt, ob wir denn wirklich aus dem Ghetto kommen. Und wer auf Viva lief, galt als sell-out. Deshalb begrüsse ich die aktuelle Entwicklung.

In dieser Ausgabe:
Rezension zu Afrobs neuem Album


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