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Afrob über sein neues Album, sich selber
und unsere Zeit
Heller geworden
Nach dem gemeinsamen Austoben mit Samy
Deluxe auf der ASD-Scheibe Wer hätte das gedacht
ist Afrob wieder alleine zurück: Ein bisschen fröhlicher
als auf seinen Vorgängern Rolle mit Hip Hop und Made
In Germany, aber auch nochmals eine Spur bissiger. Jedem
Mikrofon grossen Respekt, welches das immer noch grosse Maul
Afrobs überlebt. Hammer reisst Bäume aus, ohne
dabei die Wurzeln zu verlieren.
Von Gregor Frei.
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Afrob: Mit der Kraft eines Bären
und der Bissigkeit eines Tigers |
Das Netzmagazin: Afrob, wie hast du
die Zeit zwischen der ASD-Tour und den Hammer-Aufnahmen
verbracht?
Afrob: Nun, es war ziemlich ein fliessender
Übergang. Ich habe bereits während der ASD-Tour nach
neuen Beats Ausschau gehalten und ausgewählt. Danach habe
ich sofort mit dem Aufnehmen begonnen. Ich gönnte mir keine
Ruhephase.
Du bist jetzt schon gut 10 Jahre aktiv.
Wie hat sich dein Zugang zum Rap verändert seit deinen Anfängen?
Ich gehe heute viel entspannter an die Musik.
Ich seh' das ganze Ding nicht mehr so eng, nicht so eindimensional.
Auch brauch' ich keine Selbstbestätigung mehr. Mein Ego
ist gestellt, weisst du. Ich will zum Ursprung zurück, einfach
Musik machen.
Made in Germany,
deine letzte Soloplatte, wird gemeinhin als Verbocker deiner
Karriere angesehen - du hingegen sagst im neuen Album "Ich
liebe Made in Germany, gerade weil sich's nicht verkauft"
- wie ehrlich ist diese Zeile?
Sehr ehrlich. Man kann das mit Kindern vergleichen:
Wenn man drei Kinder hat und zwei davon sind beliebt, eines hingegen
hat es ein bisschen schwieriger, ist es meistens genau dieses
Kind, das man am liebsten hat. So ist es auch mit meinen bisherigen
Releasen.
Trotzdem scheint auch eine gewisse Selbstkritik
durch das Album: In "Soulmate" z.B. sagst du "Ich
dachte mit Bescheidenheit komm' ich weit, wie naiv". Steht
der Albumname Hammer auch für weniger Bescheidenheit?
Genau. Ich habe meine Fehler, die ich eingesehen
habe, schon immer geäussert. Die Bescheidenheit ist ja eine
gute Tugend, aber irgendwie will das niemand hören. Ich
sage auch jetzt nicht "Ich bin der Beste", diesen Titel
lass' ich mir lieber geben. Aber mit Hammer habe ich schon
versucht, meine Bescheidenheit ein bisschen abzuschütteln.
Auffallend auf Hammer ist der Party-Hunger,
der verglichen zu deinen Solo-Vorgängern ungemein deutlicher
zum Vorschein kommt. Von wo kommt diese Kraft?
Ich hatte einfach Lust auf Facettenreichtum
und auf diese Temposachen: auf Beats mit über 95 Bpm. Dazu
wollte ich im Gegensatz zur dunklen Made in Germany viel
mehr helle Klangfarben. Das sieht man z.B. ganz gut bei "Was
weiss ich": Ich kenne fünfjährige Kinder, die
zu diesem Lied bouncen. Das find' ich ok.
Dennoch scheint mir das Album zu einem
bedeutenden Teil auch von düsterer Stimmung geprägt:
In "WAS" beispielsweise schilderst du ein sehr tristes
Vorstadtleben. Wie stark prägt dich diese Realität
noch?
Ich bin halt so aufgewachsen, aber inzwischen
ist es schon nicht mehr das Gleiche, ich bin ja nicht mehr auf
der Strasse - das ist ein Scheiss-Leben, das ich nicht mehr will
und ich zurückgeblieben finde. Viele meiner Freunde führen
immer noch ein solches Leben, ich bin also immer noch sehr "close".
Aber meins ist halt anders verlaufen. Was aber nicht heisst,
dass die Bullen mein Handy nicht mehr abhören würden.
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"Ich bin ja jetzt ein Rassist,
weisst du." |
Der grösste Unterschied zu deinen
alten Sachen ist ein Thema, das dich früher auszeichnete,
auf Hammer hingegen gänzlich ausbleibt: Der Rassismus.
Dies in einer Zeit, in der die NPD ihre grössten Erfolge
feiert. Ist dieses Problem für dich nicht mehr wichtig oder
hast du es aufgegeben, es durch deine Texte zu bekämpfen?
Ich habe es probiert, aber übel Prügel
bekommen. Ich bin ja jetzt ein Rassist, weisst du. Die deutschen
Fans fühlen sich halt sehr schnell angegriffen, was dieses
Thema anbelangt. Nach Made in Germany war ich abgestempelt.
Natürlich gab es auch viele Leute aus meinem Umfeld, die
mir sagten, dass ich ihnen mit meinen Texten helfen konnte. Die
Mehrheit aber goutierte meine Schilderungen des Rassismus überhaupt
nicht.
Es ist gut, dass die NPD in den Landtag gewählt wurde. Jetzt
sehen die Leute, dass der Rassismus in Deutschland Realität
ist und nicht die Erfindung eines verrückten Afrodeutschen.
Und sie müssen sich damit auseinandersetzen.
Das Lied "Stopp die Party" ist
ziemlich von negativer Aggressivität geprägt. Gegen
wen richtet sich dieser Hass?
Es ist ein Hass gegen die VIP-Spassgesellschaft.
Es geht ja nur darum, wer am meisten Lärm macht, nicht wer
wirklich was zu sagen hat. Das Lied ist angelehnt an den Film
"Falling Down" von Michael Douglas: Ein Typ, der auf
der Suche nach Arbeit ist, dabei die Abgründe der modernen
Gesellschaft zu sehen bekommt und schliesslich Amok läuft.
Ich finde es schlimm, wenn Leute sagen "Ich mache, was ich
will". Diese Ich-zieh'-mein-eigenes-Ding-durch-Mentalität
ist schlicht nicht zeitgemäss, weil sie immer auf Kosten
anderer Leute geht.
Wie empfindest du persönlich dein
neues Album Hammer?
Es ist modern, scharf und kantig. Ich renne
nicht alten Zeiten nacht, sondern passe mich an. Der Sound muss
drücken im Auto. Es ist einfach Rap. Von einem talentierten
Rapper.
Was sagst du zum Vorwurf, es sei ein billiger
Versuch, den US-Rap zu kopieren?
Ist mir scheissegal. Es geht mir um die Musik
und in den USA hat's nun einmal die besten Producers. In Deutschland
habe ich ja auch schon alle Produzenten durch, mit denen ich
was machen wollte. Ausserdem habe ich mal gehört, dass Rap
so ein "international thing" sei. Weiss halt nicht,
ob das stimmt...
Wie beurteilst du denn die Entwicklung
des deutschen Rap?
Es ist bereits viel mehr entstanden, als sich
irgendjemand erhoffen konnte. Das finde ich gut. Das wichtigste
am Hip Hop finde ich der soziale Aufstieg, der dadurch möglich
ist. Das ist heute mehr denn je der Fall. Als wir angefangen
haben, haben sie uns noch gefragt, ob wir denn wirklich aus dem
Ghetto kommen. Und wer auf Viva lief, galt als sell-out. Deshalb
begrüsse ich die aktuelle Entwicklung.
In dieser Ausgabe:
Rezension zu Afrobs
neuem Album
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