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Frisches Feuer angezündet
Warum Wiedikon über Nacht zum
Schweizer Kingston wurde.
Von Gregor Frei.
Er ist nicht der erste, der's versucht: Fusion
Square Garden haben schon vor Jahren soliden Mundart-Reggae gemacht,
nur tönte es kein bisschen anders als ein überbekiffter
Bob Marley auf Berndeutsch. Auch Famara aus Basel ist schon lange
daran, ansehnlichen Reggae z.T. auf Schweizerdeutsch in die Welt
zu spreaden. Sogar Insel-Robinson-Dodo versucht sich als Doppelganger
zusammen mit einem Kollegen seit längerem, der Schweiz Reggae
zwischen Roots und Dancehall schmackhaft zu machen. Ein Unterfangen,
das jeweils recht kläglich scheiterte: Ausserhalb der Szene
scheint sich niemand für Sunneschiin mit Schweizer Pass
zu interessieren. Glaubte man. Nun kommt eine Zürischnure,
die erst noch wie ein verwöhntes Bubi aussieht und alles
scheint plötzlich ganz einfach: Dennis Furrer aka Phenomden
toastet und singt über die Riddims derart elegant, dass
ihm nicht nur die halbe Zeitungswelt ganze Seiten widmet, sondern
er sogar von DRS 3 (Swiss Top Act April) und Viva (N1-Rotation)
heiss geliebt wird.
Phenomden mag ganz einfach den richtigen Release-Zeitpunkt
getroffen haben, oder vielleicht ist der Mini-Hype auch nur entstanden,
weil alle Musikjournalisten aus Zürich kommen. Fakt ist
aber: Es ist das erste Schweizer Reggae-Album, das die Sonne
wolkenfrei scheinen lässt und dennoch keinen Sonnenbrand
bringt. Sprich: Es ist wunderschön, ohne kitschig zu werden.
"Fang ah" ist weder innovativ noch virtuos, es ist
einfach perfekt. Dem Mann aus Wiedikon ist es gelungen, den Reggae
so zu übermitteln, wie er sein muss: Unbefangen und treffend,
bescheiden und unheimlich energiereich. Dennis Furrer tänzelt
über die Riddims derart elegant, als würden sie schon
sein Leben lang in seinem Inneren wohnen und nur darauf warten
heraussprudeln zu können. Seine verblüffenden Toasting-
wie auch Singqualitäten machen ihn zum ersten Schweizer
Singjay, der diese Bezeichnung auch verdient: gleichzeitig ein
Sänger wie auch ein DJ, wobei "DJ" in der jamaikanischen
Tradition für Rap bzw. Toasting steht. Ergibt: Eine Mischung
aus Rapper und Sänger. Phenomden wechselt zwischen diesen
beiden Formen ohne falschen Respekt oder merkliche Anstrengung.
Nie entsteht der Eindruck, der unscheinbare
Mann aus Zürichs Kreis 3 strebe mit seinem Debüt-Album
Grosses an. Er will der Welt was mitteilen und dazu einfach gute
Musik machen, denn solche "bringt die Wält zum Schiine",
wie er selber sagt. Es ist aber diese Echtheit, die dazu führen
könnte, dass Phenomden vielleicht Grosses erreichen wird.
Denn "Fang ah" besteht aus 11 Liedern, die ein Feuer
anzünden und nicht mehr erlöschen lassen. Nicht, weil
sie so spektakulär wären, sondern schlicht und einfach
deshalb, weil sie von einem Mann am Mik getragen werden, der
was zu sagen hat. So kommen denn auch viele sozialkritische Texte
zum Zug, z.B. wütet Phenomden auf "Nume drum"
über die falschen Werte der modernen Gesellschaft und in
"Gfange" zeichnet er den Teufelskreis unseres auf Leistung
ausgerichteten Daseins.
Die Krone dieser königlichen CD bildet
"Energia" zusammen mit der italienischen Legende Don
Rico. Die Basler Scrucialists legten hierfür einen Riddim
vor, der nur so vor Kraft und Zuversicht strotzt und der einen
regelrecht fliegen lässt. Weitere Produzenten waren die
einheimischen Ganglords sowie grosse Namen aus Deutschland wie
Silly Walks und Pow Pow Movement. Eine feine CD, die den Schweizer
Mundart-Reggae endlich salonfähig macht und ein Schweizer
Singjay, der eine Frische an den Tag legt, wie sie auch ausserhalb
der Landesgrenzen weit zu suchen ist. Danke.
Live:
18.6. Open Air, Hoch-Ybrig
19.6. Open Air, Frauenfeld
www.phenomden.ch
www.nationmusic.ch
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