AKTUELL   ARCHIV & SUCHE   NEWSLETTER   INFOS   KONTAKT

Nr. 131 / Mai 2005

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

AUFHÄNGER    INTERVIEWS    NEUHEITEN    KOLUMNEN    MEILENSTEINE    KONZERTE

 

« ZURÜCK

 

WEITER »

Luzern-Story
Phenomden
Kaiser Chiefs
 

Frisches Feuer angezündet

Warum Wiedikon über Nacht zum Schweizer Kingston wurde.

Von Gregor Frei.

Er ist nicht der erste, der's versucht: Fusion Square Garden haben schon vor Jahren soliden Mundart-Reggae gemacht, nur tönte es kein bisschen anders als ein überbekiffter Bob Marley auf Berndeutsch. Auch Famara aus Basel ist schon lange daran, ansehnlichen Reggae z.T. auf Schweizerdeutsch in die Welt zu spreaden. Sogar Insel-Robinson-Dodo versucht sich als Doppelganger zusammen mit einem Kollegen seit längerem, der Schweiz Reggae zwischen Roots und Dancehall schmackhaft zu machen. Ein Unterfangen, das jeweils recht kläglich scheiterte: Ausserhalb der Szene scheint sich niemand für Sunneschiin mit Schweizer Pass zu interessieren. Glaubte man. Nun kommt eine Zürischnure, die erst noch wie ein verwöhntes Bubi aussieht und alles scheint plötzlich ganz einfach: Dennis Furrer aka Phenomden toastet und singt über die Riddims derart elegant, dass ihm nicht nur die halbe Zeitungswelt ganze Seiten widmet, sondern er sogar von DRS 3 (Swiss Top Act April) und Viva (N1-Rotation) heiss geliebt wird.

Phenomden mag ganz einfach den richtigen Release-Zeitpunkt getroffen haben, oder vielleicht ist der Mini-Hype auch nur entstanden, weil alle Musikjournalisten aus Zürich kommen. Fakt ist aber: Es ist das erste Schweizer Reggae-Album, das die Sonne wolkenfrei scheinen lässt und dennoch keinen Sonnenbrand bringt. Sprich: Es ist wunderschön, ohne kitschig zu werden. "Fang ah" ist weder innovativ noch virtuos, es ist einfach perfekt. Dem Mann aus Wiedikon ist es gelungen, den Reggae so zu übermitteln, wie er sein muss: Unbefangen und treffend, bescheiden und unheimlich energiereich. Dennis Furrer tänzelt über die Riddims derart elegant, als würden sie schon sein Leben lang in seinem Inneren wohnen und nur darauf warten heraussprudeln zu können. Seine verblüffenden Toasting- wie auch Singqualitäten machen ihn zum ersten Schweizer Singjay, der diese Bezeichnung auch verdient: gleichzeitig ein Sänger wie auch ein DJ, wobei "DJ" in der jamaikanischen Tradition für Rap bzw. Toasting steht. Ergibt: Eine Mischung aus Rapper und Sänger. Phenomden wechselt zwischen diesen beiden Formen ohne falschen Respekt oder merkliche Anstrengung.

Nie entsteht der Eindruck, der unscheinbare Mann aus Zürichs Kreis 3 strebe mit seinem Debüt-Album Grosses an. Er will der Welt was mitteilen und dazu einfach gute Musik machen, denn solche "bringt die Wält zum Schiine", wie er selber sagt. Es ist aber diese Echtheit, die dazu führen könnte, dass Phenomden vielleicht Grosses erreichen wird. Denn "Fang ah" besteht aus 11 Liedern, die ein Feuer anzünden und nicht mehr erlöschen lassen. Nicht, weil sie so spektakulär wären, sondern schlicht und einfach deshalb, weil sie von einem Mann am Mik getragen werden, der was zu sagen hat. So kommen denn auch viele sozialkritische Texte zum Zug, z.B. wütet Phenomden auf "Nume drum" über die falschen Werte der modernen Gesellschaft und in "Gfange" zeichnet er den Teufelskreis unseres auf Leistung ausgerichteten Daseins.

Die Krone dieser königlichen CD bildet "Energia" zusammen mit der italienischen Legende Don Rico. Die Basler Scrucialists legten hierfür einen Riddim vor, der nur so vor Kraft und Zuversicht strotzt und der einen regelrecht fliegen lässt. Weitere Produzenten waren die einheimischen Ganglords sowie grosse Namen aus Deutschland wie Silly Walks und Pow Pow Movement. Eine feine CD, die den Schweizer Mundart-Reggae endlich salonfähig macht und ein Schweizer Singjay, der eine Frische an den Tag legt, wie sie auch ausserhalb der Landesgrenzen weit zu suchen ist. Danke.

Live:
18.6. Open Air, Hoch-Ybrig
19.6. Open Air, Frauenfeld

www.phenomden.ch
www.nationmusic.ch


« ZURÜCK

NACH OBEN

WEITER »

Erscheint jeden Monat am 3. neu.

© 2000 - 2005 "DAS NETZMAGAZIN." Alle Rechte vorbehalten.