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From Lucerne, Switzerland
In der Stadt am Vierwaldstättersee
gehen Innerschweizer Rock-Träume in Erfüllung. Alle
helfen mit: Veranstalter, Radio und Presse. Nun ist die Zeit
gekommen, die Kantons- und vielleicht sogar die Landesgrenze
zu durchbrechen. Ein Augenschein.
Von Philipp Albrecht und Caroline Gimpel (Fotos).
Ein grosses, weisses Tuch hängt über
den ganzen Bühnenrand. Darauf projiziert sieht man vier
junge Herren, die mit dem VW-Bus nach Schweden fahren, wo sie
ein Album aufnehmen. Alles wirkt so ferienhaft, locker. Man sieht
sie immer wieder Bier trinken, ein bisschen Gitarre spielen,
Schlagzeug. Gut zwanzig Minuten lang. Dann fällt das Tuch,
fast wie von alleine. Die Bühne des Luzerner Treibhaus an
diesem kalten 9. April 2005 ist mit Kerzen geschmückt, liebevoll
dekoriert. Die vier Herren aus dem Film stehen inmitten dieser
Lichtorgie und dreschen auf die Gitarren ein, liebevoll aber
und melodiös. Der Leadgitarrist springt herum, baut sich
vor seinen Bandkollegen auf und lässt der Euphorie freien
Lauf. Das erste Album von Flink wird an diesem Abend getauft.
Flink, a rockband from Lucerne. So steht's auf ihrer perfekt
gestalteten Homepage. So professionell wie ihr Webauftritt ist
auch der Abend gestaltet. Alles läuft wie am Schnürchen.
Die Vorband aus Winterthur spielt fröhlich-souligen Rock.
Alle schmunzeln und wissen, wie man die Instrumente hält
- und spielt. Das Publikum ist bunt durchmischt, jung und alt.
Auch die Eltern und Verwandten sind da, Arbeitskollegen, man
kennt sich.
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Flink bei ihrer Plattentaufe im Treibhaus
Luzern |
1500 Franken von der Stadt
Als Zürcher staunt man nicht
schlecht ab solchen Bildern. In der grössten Schweizer Stadt
ist keine vergleichbare Szene auszumachen. In Luzern ist alles
anders. Nicht nur im Treibhaus spielen sich dieser Tage solche
Szenen ab. Im Sedel, in der Schüür, im Boa, überall
die gleichen Bilder: Eine lokale Band spielt vor begeistertem
Publikum starken Indierock. "Wir kennen uns alle, sind alle
etwa gleich alt und haben die gleiche Musik gehört",
sagt Jonathan, der zappelige Gitarrist von Flink. Ja gut, aber
anderswo gibt's doch auch Gleichaltrige, die ähnliche Musik
hören. Wieso sehen wir nur hier - mit Ausnahme von Lausanne
vielleicht - eine so sehr motivierte und talentierte Szene heranwachsen?
Luzern sei halt das Zentrum von fünf Kantonen, sagt Marcel
Bieri, Konzertveranstalter und Musikredaktor von Radio 3Fach,
eine Art Zentralschweizer Metropole mit grossem Einzugsgebiet.
Marcel und das Radio 3Fach im Besonderen sind sehr engagiert,
was die Förderung der lokalen Indierock-Szene angeht. Das
lokale Radio spielt viel Musik von Luzerner Bands, überträgt
deren Konzerte live und verleiht jährlich den Kick-Ass-Award
für den besten Luzerner Song. Aber auch das offizielle Luzern
ist grosszügig, was die lokale Kulturförderung angeht.
"Wir haben von der Stadt 1500 Franken für die Produktion
unseres Albums erhalten", sagt Jonathan. Damit lässt
sich was machen.
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Das Video auf VIVA
Neben Flink heissen die interessantesten Luzerner Bands Highfish,
Neviss und Solitune. Vertrieben werden alle vom gleichen Label:
Little Jig. Hinter Little Jig steckt Lukas Fischer. Lukas kümmert
sich in Fronarbeit um alles Organisatorische. Er hat es sich,
wie er selber sagt, zur Aufgabe gemacht, die Bands zu fördern
und mit ihnen auch aus Luzern hinaus zu kommen. "Angefangen
hat alles mit Highfish", erklärt der 23jährige,
"ich ging mit den Jungs zusammen in die Kanti." Highfish
spielten unzählige Konzerte im Raum Luzern und nahmen "Round
Robin" auf. Die inzwischen vergriffene EP wurde ein lokaler
Erfolg. "Trotzdem schienen die Möglichkeiten von Highfish
begrenzt", meint Lukas. Daraufhin gründete er das Label
Little Jig. Im Sommer 2003 folgte "Ride On", Highfish's
zweite EP. Es stiessen immer mehr Bands dazu. Inzwischen sind
es schon deren fünf. Dazu sind in der Zwischenzeit ausgesuchte
Bands aus dem In- und Ausland gekommen, die das Booking über
Little Jig machen lassen. Highfish bleibt aber nach wie vor das
Zugpferd von Little Jig, auch wenn sie noch immer kein Album
aufgenommen haben. Die Single "Rip Tide" wurde plötzlich
nicht mehr nur im 3Fach gespielt. Virus nahm den Song in die
Playlist. Im Januar 04 überreichte ihnen Chris Wicky von
Favez den Kick-Ass-Award. Zum Preis gehörte die Finanzierung
eines Videos, das in Zusammenarbeit mit der Hochschule für
Gestaltung und Kunst gedreht wurde. Das "Rip Tide"-Video
wird schliesslich auf VIVA und SFDRS gespielt.
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Wie in einer Familie: Lukas (2. v.r.)
mit Musikern und Veranstaltern. |
Eine Familie dank Little Jig
Padi, Gitarrist von Solitune, lobt
Lukas vor allem wegen seines Netzwerks: "Für uns war
Lukas von Anfang an der Mittelsmann. Als wir mal aus Eschenbach
herauskamen, hat er uns freundlich angesprochen und uns den anderen
Bands vorgestellt. Dabei ist nie Feindschaft entstanden, alle
waren aufrichtig." Der Zusammenhalt ist erstaunlich. Auch
dafür ist Lukas mit seinem Label zuständig. "Das
ist wie innerhalb einer Familie. Alle haben den gleichen Nachnamen.
Bei uns ist der Nachname Little Jig.", sagt Jonathan. Lukas
fühlt sich natürlich geehrt von solchen Komplimenten,
bleibt aber stets sachlich und bescheiden. Er komme halt aus
dem Veranstalter-Bereich, da sei es normal, dass man Leute und
Bands kennen lerne. Mit der Zeit entstehe das Netzwerk automatisch.
Ausserdem sei er längst nicht der Einzige, der etwas mache,
fügt er hinzu, und: "Ohne Deezl wär die Luzerner
Szene niemals so weit gekommen." Deezl ist der Produzent.
In seinem Foolpark Studio in Zug wurden die meisten Luzerner
Indie-Rock-Alben aufgenommen. Auf der Foolpark-Homepage ist zu
lesen: "Heute sind wir unter anderem im gitarrenbetonten
Bereich eine sehr wichtige Adresse ()" und weiter heisst
es: "Ohne einen Satz 'heisser Ohren' braucht keine Röhre
glühen!".
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"Die Texte sind völlig nebensächlich"
26.3., Sedel, Luzern. Auf der Bühne stehen vier junge und
aufgestellte Herren. Sie lächeln ins Publikum und tun so,
als spielten sie fröhlichen Gitarrenpop. Von Konzentration
- zumindest äusserlich - keine Spur. Dabei spielen sie komplizierteste
Riffs, zum Teil zwei Gitarren die gleichen. Messerscharf. Das
ist Prog-Rock von bester Qualität. Es geht auf und ab. Eine
Achterbahnfahrt in Rock. Es macht Spass, den Herren zuzusehen,
wie sie sich anlächeln und dabei kein Ton daneben geht.
Das Publikum ist begeistert. Aber als Leadsänger Roman Dubach
zwischen zwei Songs irgendwas erzählen will, kommt ihm eine
angetrunkene Stimme entgegen: "Spile nid schnure!".
Das ist wohl bezeichnend für die ganze Szene. Von Botschaften
oder bedeutungsvollen Texten will man in Luzern nichts wissen.
Darum antwortet Padi von Solitune auch eindeutig auf die Frage,
wieso sie denn nicht in Mundart singen: "Die Texte sind
völlig nebensächlich. Sie sind ein zusätzliches
Instrument. Würden wir in Mundart singen, gäbe es nur
eine einseitige Konzentration auf die Texte. Das ist nicht der
Sinn, uns geht's um die Musik."
Obwohl der kommerzielle Anspruch streckenweise
fehlt, die Zukunft dieser vier Bands verspricht rosige Zeiten.
Die Lausanner Szene ufert langsam aus. Favez hat die Auflösung
angekündigt, Chewy hat sich bereits aufgelöst. Ex-Chewy-Frontmann
Greg Wicky tümpelt mit seiner zweiten Band Pendleton vor
sich hin. An deren Konzerten sorgen lediglich die alten Chewy-Songs
noch für Begeisterung. Es ist also an der Zeit für
einen neue Schweizer Bewegung. Wieso nicht aus Luzern?
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Highfish
sind Raphael Zingg (Gitarre), Elmar Müller (Bass/Gesang)
und Kay Abegg (Schlagzeug) und bestehen schon seit 1996. Bekannt
sind sie für ihre Auftritte, in denen sie bloss zu dritt
eine erstaunliche Dichte treibender Stoner-Rocks an den Tag legen.
Zwei EPs sind bisher erschienen: Round Robin (2000, vergriffen)
und Ride On (2003). Ein Album ist in Produktion und erscheint
voraussichtlich im Herbst 2005.
www.highfish.com
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Neviss sind
Martae Fischer (Gitarre/Gesang), Beni Widmer (Gitarre/Gesang),
Dani Imhof (Bass) und Tom Fischer (Schlagzeug). 1999 gegründet,
haben sie bereits eine 3-Song-EP im Eigenvertrieb (Neviss, 2001),
ein Mini-Album (Backseat Travelling, 2003) und eine Platte (Neige
et Soleil, 2005) veröffentlicht und sich dafür ausgezeichnete
Kritiken von allen Seiten eingeheimst. Zurzeit sind sie auf ausgedehnter
CH-Tour.
www.neviss.ch
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Solitune
aus Eschenbach spielen anspruchsvollen Progressivrock in eher
düsterer Gangart. Roman Dubach (Gitarre/Gesang), Patrick
Müller (Gitarre/Gesang), Reto Achermann (Bass) und Raimond
Beel (Schlagzeug) machen seit 1998 zusammen Musik. Ihre erste
EP "o.k. rewind" ist Ende 2004 erschienen. Zuvor produzierten
sie zwei 3-Track-Demos in Eigenregie.
www.solitune.ch
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Flink is
for Fans of Nada Surf, Favez, Last Days Of April, wie man auf
der Pressemitteilung zur Veröffentlichung ihres ersten Albums
nachlesen kann. Flink sind Martin Brabec (Gitarre/Gesang), Jonathan
Winkler (Gitarre/Gesang), Hannes Herger (Bass/Gesang) und Adi
Schmid (Schlagzeug). "Ontheoutsideoflife" (2005) wurde
in Schweden aufgenommen und von Mathias Oldén (Logh) produziert.
Dieser Produktion gehen zwei Demo-CDs voraus: Sensitive (2003)
und Sensitive 2 (2004).
www.flink.ch
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Am 10. Juni 2005 findet in der Schüür
in Luzern die "Little Jig Labelnight" statt. Es spielen
Highfish, Solitune, Flink und Neviss.
www.littlejig.com
Wir verlosen je eine CD von Flink, Highfish,
Neviss und Solitune. Zu beantworten ist lediglich die Frage:
Welche dieser Bands sagt mir am meisten zu? Mail an: hoeren@netzmagazin.ch.
Name und Adresse nicht vergessen!
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