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Ausgabe Nr. 125 vom 7. April 2005
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«Operation Shakespeare» bringt den Klassiker ganz anders
juliAMORomeo

Erich Furrer - der Macher bei "Operation Shakespeare" und "Mammut-Jäger"
Die zwei Familien Montagu und Capulet bekämpfen sich seit Jahren. Sie schwimmen im Geld und baden im Blut. Romeo aus dem Hause Montagu verliebt sich in Julia aus dem Hause Capulet und umgekehrt und gegenseitig. Ausgerechnet. Damit nimmt die Geschichte ihrer Liebe ihren Lauf. Das Ende kennen wir...

Von Kurt Büchler.

Diesmal aber ist es ein Zweipersonen-Stück. Frei nach Shakespeares «Romeo und Julia». Der Text ist von Erich Furrer, der auch Regie führt. Das Netzmagazin wollte einiges vom Theatermann wissen.

Plebs Netzmagazin: Erich Furrer, Sie sind Schauspieler, Regisseur und Autor. Wie bringen Sie das alles unter einen Hut?

Erich Furrer: Nun, die großen Theatermacher aller Zeiten haben immer alles gemacht sie haben gespielt, geschrieben und inszeniert - warum nicht auch die Kleinen?

Welche Tätigkeit lieben Sie am meisten?

In unseren Projekten sind alle drei Tätigkeiten sehr eng miteinander verbunden - ich liebe sie alle - es gibt allerdings Tage, an denen ich lieber nur «draußen» sitzen würde und es gibt Tage, an denen ich lieber nur «drinnen» sein würde. Ich habe es sehr genossen, bei juliAMORomeo nicht mitspielen zu «müssen», sondern mich von den beiden wunderbaren Darstellern, Kuska Caceres und Luc Spori, inspirieren zu lassen.

Ein Shakespeare-Drama auf eine Kurzversion mit zwei Schauspielern zu reduzieren, ist schon ein interessantes Vorhaben. Wie sind Sie auf diese Idee gekommen, was reizte Sie daran?

Da muss ich etwas ausholen, denn das ist eine Idee, die letztendlich einen sehr praktischen Hintergrund hat: Es hat sich so ergeben... Ich habe das ganze Stück "Romeo und Julia" in einer eigenen Version in deutsch/schweizerdeutscher zeitgemäßer Sprache überarbeitet. Dabei möchte ich mich nicht als Shakespeare-Übersetzer wissen, denn meine Arbeit hat nichts mit Übersetzen zu tun. Ich habe vielmehr eine Stückversion geschrieben - anhand verschiedener Übersetzungen, die ich urheberrechtlich lieber nicht erwähne, obwohl kein Wort aus einer solchen in meiner Fassung steht - die meinem heutigen und persönlichen Sprachverständnis entspricht. Dabei habe ich versucht, die strukturellen Vorgaben zu übernehmen - wo Shakespeare gereimt hat, hab ich es auch - wo nicht, habe ich es auch nicht gemacht. Das ganze habe ich getan, weil ich eigentlich ein Drehbuch für einen Jugendfilm geschrieben habe und bei der Entwicklung des Buches nicht mehr weitergekommen bin...
Ich habe also kurzerhand das erstbeste Stück, das mir zum Thema Jugend, Liebe und Gewalt in den Sinn kam, genommen und überarbeitet, weil ich immer schreibe, wenn ich irgendwo nicht weiter komme - das war schon in der Schauspielschule so...
Während dieser Arbeit entwickelte ich die Idee, "Romeo und Julia" einmal mit professionellen Schauspielern und Jugendlichen aus der Hip Hop, Rap, Skateboard- Szene usw. zu verwirklichen - wenn die Zeit dafür reif ist
Da ich aber die Geduld nicht hatte, auf diesen Moment zu warten - ich verschiebe nur unangenehme Dinge wie - Steuererklärung ausfüllen, Rechnungen bezahlen. etc. - habe ich beschlossen, mit einem ganz kleinen Ensemble das Stück zu spielen, weil es ein Hammerstück ist. Anfänglich war es als Dreipersonen-Stück geplant. Romeo ist dann aber schon beim ersten Probetag abgesprungen und da dachten wir, aller guten Dinge sind Zwei... Was mich dabei gereizt hat, ist der leere Raum, die Kraft der Illusion, die Magie der Worte und die Fantasie der Darsteller - das ist ja ganz im Sinne Shakespeares, Peter Brooks, des armen Theaters und auch in meinem...
Ich denke, Theater findet in den Köpfen und Herzen der Leute statt - es braucht nicht viel Krimskrams auf der Bühne - es braucht nirgends Krimskrams, wo ein Inhalt vorhanden ist...

Blick in die Zukunft. In welchem Umfeld werden wir das nächste Mal von Ihnen hören oder Sie sehen?

Die "Mammutjäger über Bord" waren jetzt drei Wochen im Naturmuseum St. Gallen, sind vom 30. März bis 9. April im Naturhistorischen Museum Bern und vom 11. bis 22. Mai im Theater Stok in Zürich zu sehen. Im Juni sind die "Mammutjäger Economy Class" im Naturmuseum Luzern. Zuvor kann man die Mammutjäger im Rahmen der Eröffnungsfeier 150 Jahre ETH im Schiffsbau und im Landesmuseum auf der Eventbühne sehen und zwar mit einem eigens für diesen Anlass zusammengestellten Stück, aus neuen Elementen und aus Elementen der ersten drei Stücke: "Mammutjäger in der S-Bahn", "Mammutjäger Economy Class" und "Mammutjäger über Bord". Mit dem Mammutjägern geht's bestimmt weiter, von Vergangenheit kann nicht die Rede sein, denn es gibt noch viele Themen, die den heutigen Menschen vom damaligen unterscheiden oder ein wenig oder kaum oder gar nicht....

Das ist ja eine ganze Menge. Gibt es noch mehr?

Ja natürlich. Lassen Sie mich Luft holen:
CD - geplant ist sie jedenfalls, eine mit Songs/Liedern, Gedichten und Geschichten der ersten drei Stücke. Und mein persönlicher Traum ist sogar eine "Mammutjäger in Concert"-Tour - doch das ist Zukunftsmusik, die mich erst ab Sommer beschäftigt...
juliAMORomeo - da sehen sie mich ab 12. April am Licht- und Tontechnikerpult im Keller 62 in Zürich - worauf ich mich sehr, sehr freue - ich liebe das Stück und das Spiel der zwei Akteure.
Puck & Co, ein Sommernachtstraum - Ende September beginnen die Proben zum neuen Stück der Operation Shakespeare: Puck & Co, ein Sommernachtstraum - die Vorstellungen finden vom 30. November bis 12. Dezember in Zürich statt - höchstwahrscheinlich im Foyer des Restaurant Schweighof.
Kalter Krieg & heisse Würstel - dazwischen spielen die beiden Mammutjäger als Gastschauspieler in der Revue "Kalter Krieg & heisse Würstel" des Seeburgtheaters in Kreuzlingen im Eichhofbunker - siehe unter www.see-burgtheater.ch
Filmprojekt - ja, es ist auch ein Filmprojekt in Arbeit, allerdings erst in einer ersten Exposé-Phase - aber wie gesagt, ich bin sehr geduldig, in gewissen Dingen...

Herr Furrer - wir wünschen Ihnen recht viel Energie und weiterhin grossen Erfolg.

juliAMORomeo im Theater Keller62, Zürich vom 12. bis 16. April

www.netzwerkbuehne.ch
www.mammutjaeger.ch

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