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Seth: "Eigentlich ist das
Leben schön" & "Clyde Fans" | Edition
52
Früher war alles besser
Der deutsche Verlag Edition
52 hat im letzten Monat gleich zwei Bücher des kanadischen
Autors Seth veröffentlich. Endlich, denn seine Werke sind
jetzt schon Klassiker.
Von Giovanni Peduto.
Beide Bücher haben etwas
gemeinsam: sie setzen sich mit der Vergangenheit auseinander.
"Eigentlich ist das Leben schön" ist Seths Erstlingswerk
und auf englisch bereits 1997 erschienen. Darin stellt der Autor
Nachforschungen zu einem vergessenen Cartoonisten namens Kalo
an, der in den 40er und 50er Jahren für Magazine Karikaturen
anfertigte. Nachdem der kanadische Zeichner durch Zufall in einem
Trödelladen alte Magazine mit dessen Comic-Strips findet,
beginnt für ihn eine manische Suche nach mehr Material und
v.a. nach Informationen über das Leben des vergessenen Künstlers.
So beginnt eine Reise, die ihn an verschiedene Ortschaften Kanadas
bringt, aber auch in die Vergangenheit des Karikaturisten und
seiner eigenen führt.
Tipps für den Produkteverkauf
"Clyde Fans" beginnt 1997 und endet 1957. Im ersten
Teil befinden wir uns im Haus und ehemaligen Büro des Ventilatorenverkäufers
Abraham Matchcard. Die Zeit scheint in diesem Haus mit altem
Mobiliar und Kalendern aus den 50ern Jahren still zu stehen und
der Besitzer völlig von der Aussenwelt abgekapselt zu leben.
In ruhigem aber unermüdlichen Rhythmus wandert er durch
das Haus und erzählt dem Leser Aufstieg und Niedergang der
Firma Clyde Fans Company. Er präsentiert eine regelrechte
Abhandlung über den erfolgreichen Handlungsreisenden, verrät
Tipps, um Produkte zu verkaufen und berichtet von seinen eigenen
Erfahrungen. Immer wieder erwähnt er seinen verstorbenen
Bruder Simon, der im Haus ein zurückgezogenes Leben führte
und Postkarten sammelte. Simon erweist sich als das pure Gegenteil
von seinem geschäftstüchtigen Bruder. So unterscheidet
sich auch der zweite Teil des Buches, das im Gegensatz zum ersten
mit wenig Worten auskommt, vom ersten. Um dennoch etwas aus seinem
Leben zu machen versucht sich Simon 1957 als Vertreter von Clyde
Fans Company. Für einen Mann, der die Einsamkeit bevorzugt,
keine leichte Aufgabe.
Zeichnerische Schlichtheit
Beide Bücher überzeugen vor allem durch die zeichnerische
Schlichtheit (die Bilder haben viel mit Kalos Strips gemeinsam)
und durch die langsame narrative Entwicklung der Geschichten.
Der Autor lässt sich beim Erzählen viel Zeit und die
Bilder vermitteln seine Suche nach Einsamkeit und Ruhe. Dass
sich beide Bücher mit der Vergangenheit befassen mag nicht
verwundern, ist doch der Autor, der mehrheitlich Kleider im 50er
Jahre trägt, in "Eigentlich ist das Leben schön"
mehr Verständnis für die vergangenen Zeiten zu zeigen.
Seth ist ein Nostalgiker und als solcher hat er eine Schwäche
für die Comic-Klassiker der 40er und 50er Jahren. So fallen
immer wieder Zitate und Anekdoten aus "Peanuts", "Little
Orphan Annie" oder "Dick Tracy". Und mit Recht
kann man behaupten, dass Seths Bücher bereits als Klassiker
gelten können.
176 Seiten, 156 Seiten
www.drawnandquarterly.com
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