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Keji Nakazawa: "Barfuss
durch Hiroshima Bd.1: Kinder des Krieges" | Graphische Novelle
(Carlsen)
Vor dem Atombombenabwurf
Nakazawa ist ein Überlebender
des Atombombenabwurf über Hiroshima. Er weiss also aus erster
Hand, was ich damals zugetragen hat. Dieser Comic ist ebenso
eine Autobiographie wie ein historischer Roman.
Von Matti Johan Martin.
Japan ist zur Zeit des Krieges
eine Nation, die vom Militarismus geprägt ist. Jeder Kriegsgegner
wird als Landesverräter abgestempelt. Der Vater vom jugendlichen
Helden Gen ist eben einer dieser Geächteten, worunter nicht
nur der Vater selbst, sondern seine ganze Familie zu leiden hat.
Jeder in der Stadt will mit dem ,Pack' nichts zu tun haben. Die
Arbeiterfamilie leidet wie ein Grossteil der Bevölkerung
an Hunger. Das kleine Getreidefeld der Familie wird aus Hass
auf Kriegsgegner vernichtet. Doch Gen und sein kleiner Bruder
wissen sich und ihrer Familie zu helfen. Sie betteln und führen
kleine Theaterstücke auf. Dadurch können sie ihrer
schwangeren Mutter, die durch Hunger und Stress arg geschwächt
im Bett darniederliegt, helfen, wieder zu gesunden. Die Jungen
selber streiten sich wie Brüder eben dies tun und prügeln
sich mit anderen Jungs, die sie aus Verachtung mit Steinen bewerfen.
Doch sie ertragen die Ausgrenzung. Genug von den Schikanen hat
jedoch ihr älterer Bruder, der als Teenager anstatt in der
Schule zu lernen in der Kriegswirtschaft ,freiwillig' arbeitet.
Er bewirbt sich bei den Marinefliegern ohne zu ahnen, dass er
als Kamikaze sein Leben zu lassen haben wird. Nakazawa schildert
in einer Episode auch die Ohmacht von zwei lebensfreudigen todgeweihten
Kamikazefliegern. Ähnlich wie in Full Metal Jacket erträgt
ein Mitrekrut des älteren Bruders die Schikanen der Offiziere
nicht und erhängt sich. Die Lagerführung tituliert
diese Tat als heroischen Unfall im Dienste des Vaterlandes. Doch
Nakazawa zeigt nicht nur mit Finger auf die Militärs, sondern
weist auch auf die Psyche der Familie des Verstorbenen, die lieber
der Lüge glaubt anstatt der Wahrheit ins Auge zu sehen.
Diese menschlichen Züge erscheinen immer wieder in der Erzählung.
Nakazawa übt zwar Kritik am Militarismus, doch lässt
er die kindliche Freude und Stolz der jungen Brüder ebenso
zu Tage kommen.
Plot und Zeichnungen
Schade ist nur, dass Nakazawa einen Fehler macht, der eigentlich
zu vermeiden gewesen wäre.
Anstatt wie im Comic geschildert, hat Albert Einstein nicht an
der Atombombe gearbeitet.
Dadurch leidet ein wenig die Glaubwürdigkeit der gesamten
Erzählung. Auch die stark kindlich gezeichneten Figuren
kratzen ebenso in europäischen Augen an der Glaubwürdigkeit.
Doch muss an dieser Stelle gesagt werden, dass dies ein Manga
ist und sich natürlich an den japanischen Comicgewohnheiten
orientiert.
Nichts desto trotz, ist diese auf vier Bände angelegte Comicreihe
absolut zu empfehlen.
299 Seiten, CHF 21.90
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