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Bücher, AutorInnen & Comics 11. Dezember 2004
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Keji Nakazawa: "Barfuss durch Hiroshima Bd.1: Kinder des Krieges" | Graphische Novelle (Carlsen)
Vor dem Atombombenabwurf

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Nakazawa ist ein Überlebender des Atombombenabwurf über Hiroshima. Er weiss also aus erster Hand, was ich damals zugetragen hat. Dieser Comic ist ebenso eine Autobiographie wie ein historischer Roman.

Von Matti Johan Martin.

Japan ist zur Zeit des Krieges eine Nation, die vom Militarismus geprägt ist. Jeder Kriegsgegner wird als Landesverräter abgestempelt. Der Vater vom jugendlichen Helden Gen ist eben einer dieser Geächteten, worunter nicht nur der Vater selbst, sondern seine ganze Familie zu leiden hat. Jeder in der Stadt will mit dem ,Pack' nichts zu tun haben. Die Arbeiterfamilie leidet wie ein Grossteil der Bevölkerung an Hunger. Das kleine Getreidefeld der Familie wird aus Hass auf Kriegsgegner vernichtet. Doch Gen und sein kleiner Bruder wissen sich und ihrer Familie zu helfen. Sie betteln und führen kleine Theaterstücke auf. Dadurch können sie ihrer schwangeren Mutter, die durch Hunger und Stress arg geschwächt im Bett darniederliegt, helfen, wieder zu gesunden. Die Jungen selber streiten sich wie Brüder eben dies tun und prügeln sich mit anderen Jungs, die sie aus Verachtung mit Steinen bewerfen. Doch sie ertragen die Ausgrenzung. Genug von den Schikanen hat jedoch ihr älterer Bruder, der als Teenager anstatt in der Schule zu lernen in der Kriegswirtschaft ,freiwillig' arbeitet. Er bewirbt sich bei den Marinefliegern ohne zu ahnen, dass er als Kamikaze sein Leben zu lassen haben wird. Nakazawa schildert in einer Episode auch die Ohmacht von zwei lebensfreudigen todgeweihten Kamikazefliegern. Ähnlich wie in Full Metal Jacket erträgt ein Mitrekrut des älteren Bruders die Schikanen der Offiziere nicht und erhängt sich. Die Lagerführung tituliert diese Tat als heroischen Unfall im Dienste des Vaterlandes. Doch Nakazawa zeigt nicht nur mit Finger auf die Militärs, sondern weist auch auf die Psyche der Familie des Verstorbenen, die lieber der Lüge glaubt anstatt der Wahrheit ins Auge zu sehen. Diese menschlichen Züge erscheinen immer wieder in der Erzählung. Nakazawa übt zwar Kritik am Militarismus, doch lässt er die kindliche Freude und Stolz der jungen Brüder ebenso zu Tage kommen.

Plot und Zeichnungen
Schade ist nur, dass Nakazawa einen Fehler macht, der eigentlich zu vermeiden gewesen wäre.
Anstatt wie im Comic geschildert, hat Albert Einstein nicht an der Atombombe gearbeitet.
Dadurch leidet ein wenig die Glaubwürdigkeit der gesamten Erzählung. Auch die stark kindlich gezeichneten Figuren kratzen ebenso in europäischen Augen an der Glaubwürdigkeit. Doch muss an dieser Stelle gesagt werden, dass dies ein Manga ist und sich natürlich an den japanischen Comicgewohnheiten orientiert.
Nichts desto trotz, ist diese auf vier Bände angelegte Comicreihe absolut zu empfehlen.

299 Seiten, CHF 21.90

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Nächste Lesen-Ausgabe: 11. Januar 2005 <<< | Seitenanfang | >>>

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