Übersicht
Interview
Ausgelesen
Vorabdruck
Belletristik
Sachbuch >
Hörbuch
Fantasy
Comic |
 |
Überblick
Sachbuch
des Monats:
Sex
and the City
Weitere
Neuheiten:
Zürich,
du mein
blaues Wunder
Dorothee Sölle
Antisemitismus
Waldmenschen >
Tannenduft &
Christbaumkugel
The Police
Fleischküche
|
 |
Walter Däpp, Hansueli Trachsel:
"WaldMenschen. Begegnungen im Berner Bremgartenwald"
| Porträtband | Stämpfli
Begegnung mit badenden Chläusen
und Wurzelzwergen
Er ist Pilgerort, Forschungsstation,
Arbeitsweg, Friedhof und Ausgangspunkt für Kurztrips nach
Amerika; manchmal ist er auch Partylokal, Restaurant oder Musikübungsraum:
Der Berner Bremgartenwald, kurz "Bremer". In ihm finden
sich Bäume, Büsche, Harz und Hecken, kleine und grosse
Tiere - und jede Menge interessanter Menschen. Walter Däpp
und Hansueli Trachsel haben einige von ihnen mit unprätentiösen,
aber alles andere als langweiligen Texten und stimmungsvollen
Fotographien porträtiert.
Von Sandra Despont.
Der "Bremer" ist ein
unmittelbar an die Stadt Bern angrenzendes, 590 Hektaren grosses
Naherholungsgebiet, das mit öffentlichem und privatem Verkehr
von der Stadt aus gleichermassen gut und unkompliziert erreichbar
ist. Kein Wunder, gehört er zu den beliebtesten Aufenthaltsorten
der Berner. In "WaldMenschen" begegnet der Leser im
Wechsel der Jahreszeiten einigen der Leute, die man regelmässig
im Wald antrifft, und erfährt dabei so manches über
ihre Freizeit, ihre Arbeit, ihre Lebensanschauung und vor allem:
was ihnen der "Bremer" bedeutet. interessant
Wo die Menschen "fröhlich,
aufgestellt, zufrieden" sind
Haben Sie schon mal geplatzget? Wussten Sie, dass zweistämmige
Bäume in Asien Glücksbringer sind? Und wenn zwei Hornstösse
durch den herbstlichen Wald klingen, könnten Sie dann sagen,
ob Fuchs oder Reh ihr Leben lassen mussten? Falls nicht, und
wenn Sie nebenbei noch erfahren möchten, an was man eine
"Theridion blackwalli" erkennt, dann folgen Sie Walter
Däpp und Hansueli Trachsel auf ihrem Waldspaziergang. Kaum
zu glauben, wie vielfältig die Menschen und ihre Tätigkeiten
im "Bremer" sind. Auf kleinstem Raum begegnet man in
"WaldMenschen" so vielen aussergewöhnlichen und
doch absolut normalen Persönlichkeiten, dass man meinen
könnte, im "Bremer" keine zehn Schritte gehen
zu können, ohne über einen Blumenfotographen, einen
Meditierenden oder die Führerin eines Hunderudels zu stolpern.
Aber egal, ob man die Fussballjunioren beim Abfallsammeln, die
Jungjäger bei der Fronarbeit oder den Blinden bei seinem
Spaziergang antrifft, immer machen einem die Autoren die Porträtierten
durch feinfühlige Texte und stimmungsreiche Bilder sofort
symphatisch. Eine fröhliche Mischung aus verschiedenen Kulturen,
Generationen und Herkunft tummelt sich im Wald, und irgendwie
kommen sie hier alle aneinander vorbei. Natürlich gibt es
auch Konfrontationen: zwischen Förster und Passanten, Jäger
und Tierliebhaber, Hundehalter und Jogger. Aber nicht selten
wird der "Bremer" gerade dadurch auch ein Ort der Kommunikation
und des Verständnisses für Lebensart und Bedürfnisse
Anderer.
"WaldMenschen" ist
ein bereicherndes Buch, sorgfältig und mit viel Engagement
gemacht. Nebenbei lernt man auch gleich, dass der "Bremer",
wie er sich den Waldbesuchern präsentiert, keine Selbstverständlichkeit
ist. Hinter dem gepflegten Wald steckt viel Arbeit von Förstern,
Flurpolizist, Jungjägern, Schülern und anderen. Auch
diese Menschen kommen in den niemals banalen Porträts zu
Wort. Dass die Abbildungen nicht farbig sind, stört überhaupt
nicht, sondern macht umso begieriger, selbst wieder einmal in
den Wald zu gehen, seine Farben und Gerüche mit allen Sinnen
wahrzunehmen und vielleicht dem einen oder anderen Waldmenschen
zu begegnen.
151 S., CHF 49.00
|