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Ute Kröger: "Zürich,
du mein blaues Wunder" | Sachbuch | Limmat Verlag
Für alle, die Zürich lieben;
für alle, die Zürich hassen
Thomas Mann, Thornton
Wilder, James Joyce, Alfred Döblin, Frank Wedekind -
dies sind nur einige von vielen berühmten Literaten, die
irgendwann, mehr oder weniger freiwillig, den Weg in die Schweiz
und nach Zürich gefunden haben. Weshalb sie gekommen sind,
was sie in Zürich gemacht und wie sie die Stadt erlebt haben,
erfährt man in dem beeindruckend recherchierten, reichhaltigen
und vor Wissen, Geschichte und Geschichten strotzenden Buch von
Ute Kröger.
Von Sandra Despont.
Zürich: die Stadt, in der
man, laut Niklaus Meienberg, sein blaues Wunder erleben oder
einer wahren "Zurick Zurick horror picture show" beiwohnen
kann, während der mit Trams kollidierte Fussgänger
vom Kadaverabholdienst des Tierspitals beseitigt werden. Zürich:
die Stadt der Wirtschaft, der Reichen, derjenigen, die sich das
Shopping in der Bahnhofsstrasse etwas kosten lassen können
und die auf erschwingliche Wohnungen pfeifen. Aber was immer
man von Zürich halten mag - Tatsache ist, dass diese
Stadt, wie keine andere in der Schweiz, mehr als einmal literarisches
Zentrum von bedeutendem Rang war.
Auf nach Zürich!
Schon ein flüchtiger Blick in das Buch verrät, dass
hier mit viel Mühe und ohne Kosten und Aufwand zu scheuen,
ein wahres Meisterwerk geschaffen wurde. Die grosszügig
angelegte Publikation beinhaltet alles, was man sich von einem
solchen Buch wünschen kann: Fotos, Textzeugnisse, Karten,
Skizzen, Dokumente, Personen- und Ortsregister und, das Wichtigste:
kenntnisreiche und doch so zugängliche Beschreibungen von
Orten, Personen und Ereignissen, von kleinen und grossen Wundern,
Freund- und Feindschaften, dass sich das Buch an das breitest
vorstellbare Publikum richtet: ZürcherInnen, Geschichtfans,
Literaturliebhaber - sie alle werden auf ihre Kosten kommen.
Besonders sei das blaue Wunder aber den Zürichverächtern
ans Herz gelegt. Sie werden hier ein anderes Zürich finden,
als das der gängigen Klischees und vielleicht lassen sie
sich ja sogar animieren, einmal in die Höhle des Löwen,
sprich: nach Zürich, zu reisen und einigen Orten, die Krögers
kurz, aber sehr unterhaltsam porträtiert, einen Besuch abzustatten.
Literaturstadt Zürich
Ute Krögers Buch
gibt einen intimen Einblick in den Zürcher Literaturbetrieb.
Alles, was in der Schweizer Literatur Rang und Namen hat, daneben
zahlreiche prominente Vertreter der Weltliteratur begegnen einem
auf dem Rundgang durch Zürich. Und manch einer der bewunderten
und aus der Distanz übermenschlich scheinenden Autoren gewinnt
bei dieser Begegnung ein menschliches, manchmal allzu menschliches
Gesicht. Im Dolder Grand Hotel verliebt sich Thomas Mann ein
letztes Mal - in einen Kellner; Ricarda Huch arbeitet in
der Stadtbibliothek und versucht vergeblich, den Mann ihrer Schwester,
in den sie sich verliebt hat, zu vergessen; an der Feldeggstrasse
klopft Ingeborg Bachmann ihre Teppiche aus - zur Entrüstung
der Nachbarn am heiligen Sonntag. Ute Kröger beschränkt
sich aber nicht auf die Schriftsteller, sondern porträtiert
auch viele andere, die im Literaturbetrieb Zürichs eine
Rolle gespielt haben; seien dies Literaturkritiker, wie das "literarische
Bundesgericht" Eduard Korrodi, das Buchhändlerehepaar
Oprecht oder der Mäzen und Mentor Carl Seelig. Auch Personen,
die sich allenfalls am Rande des Literaturbetriebs bewegt haben,
treten in den Gesichtskreis der Leser. So zum Beispiel Hulda
Zumsteg, die langjährige Wirtin der Kronenhalle.
In prägnanten Porträts
von Personen und Orten schaffte es die Autorin, eine Welt auferstehen
zu lassen. Fakten und Anekdoten vermischen sich wohlgefällig,
so dass die Lektüre zum Denken und Schmunzeln gleichermassen
anregt. Besonders erwähnenswert ist zudem, etwas, das, wenn
überhaupt, in anderen Büchern allenfalls negativ auffällt:
Schriftsatz und Layout. Hier herrscht kein Gedränge: die
Schrift ist klar und mit ihrem grossen Zeilenabstand ausgesprochen
leserfreundlich. Der breite Seitenrand erlaubt eine sinnvolle
Ergänzung des Haupttexts mit Porträtaufnahmen, Literaturangaben
und Textzeugnissen. Statt sich über die Form zu ärgern,
kann man sich voll auf den Inhalt konzentrieren. Und der ist
mehr als lesenswert!
488 S., 334 s/w Fotos, Dokumente
und Karten, CHF 49.00
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