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Bücher, AutorInnen & Comics 11. Dezember 2004
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Ute Kröger: "Zürich, du mein blaues Wunder" | Sachbuch | Limmat Verlag
Für alle, die Zürich lieben; für alle, die Zürich hassen

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Thomas Mann, Thornton Wilder, James Joyce, Alfred Döblin, Frank Wedekind - dies sind nur einige von vielen berühmten Literaten, die irgendwann, mehr oder weniger freiwillig, den Weg in die Schweiz und nach Zürich gefunden haben. Weshalb sie gekommen sind, was sie in Zürich gemacht und wie sie die Stadt erlebt haben, erfährt man in dem beeindruckend recherchierten, reichhaltigen und vor Wissen, Geschichte und Geschichten strotzenden Buch von Ute Kröger.

Von Sandra Despont.

Zürich: die Stadt, in der man, laut Niklaus Meienberg, sein blaues Wunder erleben oder einer wahren "Zurick Zurick horror picture show" beiwohnen kann, während der mit Trams kollidierte Fussgänger vom Kadaverabholdienst des Tierspitals beseitigt werden. Zürich: die Stadt der Wirtschaft, der Reichen, derjenigen, die sich das Shopping in der Bahnhofsstrasse etwas kosten lassen können und die auf erschwingliche Wohnungen pfeifen. Aber was immer man von Zürich halten mag - Tatsache ist, dass diese Stadt, wie keine andere in der Schweiz, mehr als einmal literarisches Zentrum von bedeutendem Rang war.

Auf nach Zürich!
Schon ein flüchtiger Blick in das Buch verrät, dass hier mit viel Mühe und ohne Kosten und Aufwand zu scheuen, ein wahres Meisterwerk geschaffen wurde. Die grosszügig angelegte Publikation beinhaltet alles, was man sich von einem solchen Buch wünschen kann: Fotos, Textzeugnisse, Karten, Skizzen, Dokumente, Personen- und Ortsregister und, das Wichtigste: kenntnisreiche und doch so zugängliche Beschreibungen von Orten, Personen und Ereignissen, von kleinen und grossen Wundern, Freund- und Feindschaften, dass sich das Buch an das breitest vorstellbare Publikum richtet: ZürcherInnen, Geschichtfans, Literaturliebhaber - sie alle werden auf ihre Kosten kommen. Besonders sei das blaue Wunder aber den Zürichverächtern ans Herz gelegt. Sie werden hier ein anderes Zürich finden, als das der gängigen Klischees und vielleicht lassen sie sich ja sogar animieren, einmal in die Höhle des Löwen, sprich: nach Zürich, zu reisen und einigen Orten, die Krögers kurz, aber sehr unterhaltsam porträtiert, einen Besuch abzustatten.

Literaturstadt Zürich
Ute Krögers Buch gibt einen intimen Einblick in den Zürcher Literaturbetrieb. Alles, was in der Schweizer Literatur Rang und Namen hat, daneben zahlreiche prominente Vertreter der Weltliteratur begegnen einem auf dem Rundgang durch Zürich. Und manch einer der bewunderten und aus der Distanz übermenschlich scheinenden Autoren gewinnt bei dieser Begegnung ein menschliches, manchmal allzu menschliches Gesicht. Im Dolder Grand Hotel verliebt sich Thomas Mann ein letztes Mal - in einen Kellner; Ricarda Huch arbeitet in der Stadtbibliothek und versucht vergeblich, den Mann ihrer Schwester, in den sie sich verliebt hat, zu vergessen; an der Feldeggstrasse klopft Ingeborg Bachmann ihre Teppiche aus - zur Entrüstung der Nachbarn am heiligen Sonntag. Ute Kröger beschränkt sich aber nicht auf die Schriftsteller, sondern porträtiert auch viele andere, die im Literaturbetrieb Zürichs eine Rolle gespielt haben; seien dies Literaturkritiker, wie das "literarische Bundesgericht" Eduard Korrodi, das Buchhändlerehepaar Oprecht oder der Mäzen und Mentor Carl Seelig. Auch Personen, die sich allenfalls am Rande des Literaturbetriebs bewegt haben, treten in den Gesichtskreis der Leser. So zum Beispiel Hulda Zumsteg, die langjährige Wirtin der Kronenhalle.

In prägnanten Porträts von Personen und Orten schaffte es die Autorin, eine Welt auferstehen zu lassen. Fakten und Anekdoten vermischen sich wohlgefällig, so dass die Lektüre zum Denken und Schmunzeln gleichermassen anregt. Besonders erwähnenswert ist zudem, etwas, das, wenn überhaupt, in anderen Büchern allenfalls negativ auffällt: Schriftsatz und Layout. Hier herrscht kein Gedränge: die Schrift ist klar und mit ihrem grossen Zeilenabstand ausgesprochen leserfreundlich. Der breite Seitenrand erlaubt eine sinnvolle Ergänzung des Haupttexts mit Porträtaufnahmen, Literaturangaben und Textzeugnissen. Statt sich über die Form zu ärgern, kann man sich voll auf den Inhalt konzentrieren. Und der ist mehr als lesenswert!

488 S., 334 s/w Fotos, Dokumente und Karten, CHF 49.00

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