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Interview mit Christian Schünemann
"Mein Frisör ist ein sehr
guter Freund von mir"
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Christian Schünemann:
"Ich gehe gerne zum Frisör." |
Christian Schünemanns
neuer Krimi spielt im Frisör-Milieu - der ermittelnde Hobbie-Detektiv
ist Münchens bekanntester Promi-Haardesigner. Im Interview
verrät der Autor, wie viel er wirklich über Haare,
Schneiden und Trend-Frisuren weiss.
Von Stephan Sigg.
Plebs: Wie sind Sie auf die
Idee gekommen, einen Krimi mit einem Frisör als Hobby-Ermittler
zu schreiben?
Christian Schünemann: Eine
Freundin brachte mich auf die Idee: Beim Frisör wird geklatscht,
Menschen aus unterschiedlichen sozialen Schichten kommen, plaudern,
zeigen ihr Innerstes oder ihre Fassade. Viel Stoff und Raum für
viele Geschichten.
Haben Sie ausgiebig in Frisör-Salons
recherchiert?
Das war unbedingt notwendig.
Ich war oft im Frisörsalon von Ulrich Graf in München,
dem Frisör, der für den Roman "Pate" steht.
Bei ihm habe ich viel übers Schneiden und Färben gelernt.
Aber bestimmt noch nicht alles, was es darüber zu lernen
gibt.
Wie oft gehen Sie zum Frisör?
Werden Sie beim Frisör inspiriert?
Ich gehe gerne zum Frisör.
Ungefähr alle zwei Monate. Und die Inspiration für
Geschichten bekomme ich zwar auch beim Frisör, aber ebenso
an anderen Orten: Bei Freunden, in der S-Bahn, beim Familientreffen,
überall.
Achten Sie auf die Frisuren
von anderen Menschen?
Vielleicht weniger auf die Frisur,
als auf die Haare. Haare können so unterschiedlich sein!
Müde. Kräftig. Oder elektrisiert. Oft bleiben mir aber
auch andere Dinge in Erinnerung: Stimme, Augen, eine Geste.
Wie ist Ihre Beziehung zu
Ihrem Frisör?
Sehr eng. Mein Frisör ist
ein sehr guter Freund von mir. Ich kenne ihn schon seit über
zehn Jahren. Und es ist immer wieder spannend: Wie wird er mir
dieses Mal die Haare schneiden. Er lässt sich nur ungern
reinreden.
Was gefällt Ihnen am
besten an Ihrem oder einem Frisörsalon?
Ich mag die Geräusche, das
Klappern der Schere, die Föne, das Gerede und Gelache. Aber
vor allem die Intimität zwischen dem Frisör und dem
Kunden. Das Schneiden, die Sorgfalt und Genauigkeit, die darin
liegt - das hat auch immer etwas Liebevolles, Erotisches.
Ist Ihr Krimi autobiographisch
geprägt?
Die Geschichte ist frei erfunden.
Ähnlichkeiten zu meinem Leben oder dem Leben anderer sind
natürlich vorhanden. Wie wohl bei jedem fiktionalen Stoff.
Haben Sie schon Reaktionen
von Frisören auf Ihren Krimi bekommen?
Von meinem Frisör ja. Er
hatte fast nichts zu meckern.
War es schwierig, aus der
Perspektive eines Frisörs zu schreiben?
Ein Frisör kann sehr glaubhaft
Äußerlichkeiten, Gerüche beschreiben und, wenn
er feinfühlig ist, Rückschlüsse auf seelische
Befindlichkeiten ziehen. Daher ist für mich die Perspektive
eines Frisörs sogar hilfreich.
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Zum Autor
Christian Schünemann
Geboren 1968 in Bremen, studierte
Slawistik in Berlin und Sankt Petersburg, arbeitete in Moskau
und Bosnien-Herzegowina und absolvierte die Evangelische Journalistenschule
in Berlin. Eine Reportage in der "Süddeutschen Zeitung"
wurde 2001 mit dem Helmut-Stegmann-Preis ausgezeichnet. Beim
Internationalen Wettbewerb junger Autoren, dem Open Mike 2002,
wurde ein Auszug aus dem Roman "Der Frisör" preisgekrönt,
lebt heute in Berlin
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