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Bücher, AutorInnen & Comics 11. Dezember 2004
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Interview mit Christian Schünemann
"Mein Frisör ist ein sehr guter Freund von mir"

Christian Schünemann: "Ich gehe gerne zum Frisör."
Christian Schünemanns neuer Krimi spielt im Frisör-Milieu - der ermittelnde Hobbie-Detektiv ist Münchens bekanntester Promi-Haardesigner. Im Interview verrät der Autor, wie viel er wirklich über Haare, Schneiden und Trend-Frisuren weiss.

Von Stephan Sigg.

Plebs: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, einen Krimi mit einem Frisör als Hobby-Ermittler zu schreiben?

Christian Schünemann: Eine Freundin brachte mich auf die Idee: Beim Frisör wird geklatscht, Menschen aus unterschiedlichen sozialen Schichten kommen, plaudern, zeigen ihr Innerstes oder ihre Fassade. Viel Stoff und Raum für viele Geschichten.

Haben Sie ausgiebig in Frisör-Salons recherchiert?

Das war unbedingt notwendig. Ich war oft im Frisörsalon von Ulrich Graf in München, dem Frisör, der für den Roman "Pate" steht. Bei ihm habe ich viel übers Schneiden und Färben gelernt. Aber bestimmt noch nicht alles, was es darüber zu lernen gibt.

Wie oft gehen Sie zum Frisör? Werden Sie beim Frisör inspiriert?

Ich gehe gerne zum Frisör. Ungefähr alle zwei Monate. Und die Inspiration für Geschichten bekomme ich zwar auch beim Frisör, aber ebenso an anderen Orten: Bei Freunden, in der S-Bahn, beim Familientreffen, überall.

Achten Sie auf die Frisuren von anderen Menschen?

Vielleicht weniger auf die Frisur, als auf die Haare. Haare können so unterschiedlich sein! Müde. Kräftig. Oder elektrisiert. Oft bleiben mir aber auch andere Dinge in Erinnerung: Stimme, Augen, eine Geste.

Wie ist Ihre Beziehung zu Ihrem Frisör?

Sehr eng. Mein Frisör ist ein sehr guter Freund von mir. Ich kenne ihn schon seit über zehn Jahren. Und es ist immer wieder spannend: Wie wird er mir dieses Mal die Haare schneiden. Er lässt sich nur ungern reinreden.

Was gefällt Ihnen am besten an Ihrem oder einem Frisörsalon?

Ich mag die Geräusche, das Klappern der Schere, die Föne, das Gerede und Gelache. Aber vor allem die Intimität zwischen dem Frisör und dem Kunden. Das Schneiden, die Sorgfalt und Genauigkeit, die darin liegt - das hat auch immer etwas Liebevolles, Erotisches.

Ist Ihr Krimi autobiographisch geprägt?

Die Geschichte ist frei erfunden. Ähnlichkeiten zu meinem Leben oder dem Leben anderer sind natürlich vorhanden. Wie wohl bei jedem fiktionalen Stoff.

Haben Sie schon Reaktionen von Frisören auf Ihren Krimi bekommen?

Von meinem Frisör ja. Er hatte fast nichts zu meckern.

War es schwierig, aus der Perspektive eines Frisörs zu schreiben?

Ein Frisör kann sehr glaubhaft Äußerlichkeiten, Gerüche beschreiben und, wenn er feinfühlig ist, Rückschlüsse auf seelische Befindlichkeiten ziehen. Daher ist für mich die Perspektive eines Frisörs sogar hilfreich.

Zum Autor
Christian Schünemann

Geboren 1968 in Bremen, studierte Slawistik in Berlin und Sankt Petersburg, arbeitete in Moskau und Bosnien-Herzegowina und absolvierte die Evangelische Journalistenschule in Berlin. Eine Reportage in der "Süddeutschen Zeitung" wurde 2001 mit dem Helmut-Stegmann-Preis ausgezeichnet. Beim Internationalen Wettbewerb junger Autoren, dem Open Mike 2002, wurde ein Auszug aus dem Roman "Der Frisör" preisgekrönt, lebt heute in Berlin

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