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Wissenschaft 27. Oktober 2004
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Der Nobelpreis 2004
Die Nobelpreise 2004 für Chemie, Physik, Medizin und Wirtschaft

Alfred Nobel
Seit 1900 werden in Stockholm jedes Jahr am 10. Dezember die Nobelpreise für Chemie, Physik, Medizin, Wirtschaft und Literatur verliehen (1). Für Wissenschaftler ist der Nobelpreis die höchste und prestigeträchtigste Auszeichnung überhaupt. Plebs erklärt, wie es zu diesem Preis kam, und wer die Gewinner 2004 sind.

Von Marc Höchner.

Der Nobelpreis geht, wie der Name es schon sagt, auf einen Herr Alfred Nobel zurück. Dieser wurde 1833 in Stockholm als ältester Sohn eines Architekten und Geschäftsmannes geboren. Nobel wuchs zunächst in ärmlichen Verhältnissen auf, da sein Vater mit seiner Firma Konkurs ging. Doch bald änderte sich die finanzielle Lage, und Nobel erhielt in St. Petersburg (wo die Familie nun wohnte) eine erstklassige Schulbildung. Danach machte er gleich eine Reise durch Europa, und lernte so zum ersten Mal Nitroglyzerin kennen. Dieser hochexplosive Stoff galt als zu unstabil, um nützlich zu sein. Doch Alfred Nobel interessierte sich dafür. Er setzte sich als Ziel, daraus einen vermarktbaren Sprengstoff zu entwickeln.

Der Erfinder des Dynamits
1863 ging das Geschäft des Vaters abermals Konkurs. Die Familie kehrte nach Schweden zurück. Alfred Nobel begann an verschiedenen Sprengstoffen zu tüfteln. Im gleichen Jahr kamen bei einer Explosion in seinem Labor sein Bruder und 4 weitere Leute um. Trotzdem gelang es ihm 3 Jahre später einen neuen Sprengstoff zu patentieren. Er hatte das Nitroglyzerin mit Kieselguhr gemischt. Es entstand eine Paste, die zugleich stabil und formbar war - Dynamit. 1875 patentierte er einen noch besseren Sprengstoff, die Sprenggelatine.
Diese Erfindungen kamen zur richtigen Zeit. Auf der ganzen Welt konnten dank diesen Sprengstoffen schneller gebaut werden. Bald besass Nobel 90 Fabriken auf der ganzen Welt.

Nobels Testament
Obwohl Alfred Nobel dank seiner Inventionen ein riesiges Vermögen erwirtschaftete, war er offenbar nicht ein besonders glücklicher Mensch. Er heiratete nie, hatte keine Kinder und war oft einsam und von sich selber enttäuscht. Besonders reute ihn, dass Dynamit zunehmend Verwendung in Armeen fand, und als Waffe eingesetzt wurde.
1890 liess sich Nobel in italienischen Kurort San Remo nieder, 1895 schrieb er sein berühmtes Testament. Aus seinem Vermögen liess er ein Fond errichten. Die Zinsen aus diesem Fond sollten als Preis zu gleichen Teilen den Menschen zukommen: "die im verflossenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen gebracht habe[n]". Der Preis umfasst die Gebiete Physik, Chemie, Medizin, sowie literarisches Werk "in einer 'idealistischen'
(2) Richtung". Geehrt wird auch die Person, die "am meisten oder am besten für die Verbrüderung der Völker gewirkt hat, für die Abschaffung oder Verminderung der stehenden Heere sowie für die Bildung und Verbreitung von Friedenskongressen". Zur Zeit ist der Nobelpreis mit ca. 1.7 Mio Franken dotiert.

(1) Der Friedensnobelpreis wird am gleichen Tag in Oslo verliehen; der Wirtschaftsnobelpreis ist streng genommen gar kein Nobelpreis, da er erst 1968 von der Schwedischen Staatsbank gestiftet wurde. Er wird aber dem Nobelpreis gleichgestellt.

(2) Diese Formulierung ist unklar, im Testament steht idealisk (ideal), das Wahlgremium interpretierte es aber als idealistisk (idealistisch).

www.nobelprize.org
>>> Geschichte der Nobelstiftung, Auswahlverfahren der Kandidaten, ausführliche wissenschafttliche Infos, Spiele

Die Nobelpreisgewinner 2004
(ohne Friedens- und Literaturnobelpreis)

Physik:

David J. Gross, Kavli Institute for Theoretical Physics, University of California, Santa Barbara, USA H. David Politzer, California Institute of Technology (Caltech), Pasadena, USA Frank Wilczek, Massachusetts Institute of Technology (MIT), Cambridge USA

Der Physiknobelpreis erhielten die drei Amerikaner für ihre Arbeit im Bereich der Quark Forschung. Quarks sind die elementaren Teilchen, aus welchen Materie besteht. Sie haben entdeckt, dass sich die Quarks im Atomkern wie ein Gummiband verhalten. Je weiter auseinander sie sind, desto stärker die bindende Kraft, auf Englisch "colour force" genannt. Umgekehrt wird diese Kraft umso schwächer, je näher die Quarks aneinander sind. Diese Entdeckung bringt die Physik einen Schritt näher an ihren Traum einer Universalformel

Chemie:

Aaron Ciechanover, Technion Israel Institute of Technology, Haifa, Israel) Avram Hershko, dito Irwin Rose, University of California, Irvine, USA

Im Bereich der Chemie wurde der Nobelpreis für bahnbrechende Entdeckungen in der Zellbiologie vergeben. Dass Zellen dauernd Proteine produzieren, ist nichts überraschendes. Doch das Forscherteam aus Israel und den USA hat entdeckt, das Zellen auch gezielt und geordnet Proteine abbauen. Die "verurteilten" Proteine enthalten ein "Etikett" - das Molekül Ubiquitin. Dieser Stoff wirkt als Schlüssel für die "Entsorgungszellen", die Proteasomen. Die Produktion und Abbau von Proteinen ist ein wichtiger Kreislauf in unserem Körper. Dank dieser Entdeckung besteht weiterhin Hoffnung im Kampf gegen Krebs und anderen Krankheiten.

Medizin:

Richard Axel, Columbia University New York; Howard Hughes Medical Institute, USA Linda B. Buck, Fred Hutchinson Cancer Research Center Seattle; Howard Hughes Medical Institute, USA

Der Geruchssinn der Säugetiere stellte lange Zeit für die Wissenschaft ein Rätsel dar, doch die beiden US - Forscher haben das Geheimnis endlich entschlüsselt. Gerüche werden von Tausenden von Rezeptorenzellen wahrgenommen. Jede Zelle kann nur eine begrenzte Anzahl Geruchsrezeptoren wahrnehmen. Diese werden ans Hirn weitergeleitet, wo ein "Geruchsmuster" entsteht. Mit Hilfe von diesem Muster ist das Hirn in der Lage, eine Vielzahl von Gerüchen zu speichern. Diese Fähigkeit ist für Menschen und Säugetiere lebenswichtig. Beispielsweise ist nur erkennbar, ob Nahrung verdorben ist oder nicht.

Wirtschaftschaften:

Finn E. Kydland, Carnegie Mellon University, Pittsburgh; University of California, San Barbara, USA Edward C. Prescott, Arizona State University, Tempe; Federal Reserve Bank of Minneapolis, USA

Die Nobelpreisgewinner im Bereich Wirtschaftswissenschaften erhielten der Norweger Kydland und der Amerikaner Prescott für ihre Beiträge über die treibende Kraft hinter Wirtschaftszyklen. Herkömmliche Wirtschaftsmodelle konzentrierten sich auf das Zusammenspiel historischer Variablen, wie Angebot, Nachfrage, Produktion usw. Diese Wissenschaftler betrachten jedoch den Wirtschaftszyklus als Ergebnis unzähliger Entscheidungen von privaten Haushalten und Firmen. Sie leisteten damit wertvolle Vorarbeit für die Entwicklung von neuen, zeitgemässeren Wirtschaftstheorien.
Ausserdem lieferten sie eine Erklärung für die Ineffienz staatlicher Wirtschaftspolitik: Da Haushalte und Firmen immer vorausschauend agieren, scheitern politische Massnahmen, die nicht früh und entschieden genug vorangetrieben werden. Dies nennt man Problem der Zeitinkonsistenz wirtschaftspolitischer Entscheidungen.

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