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Der Nobelpreis 2004
Die Nobelpreise 2004 für Chemie,
Physik, Medizin und Wirtschaft
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Alfred Nobel |
Seit 1900 werden in Stockholm
jedes Jahr am 10. Dezember die Nobelpreise für Chemie, Physik,
Medizin, Wirtschaft und Literatur verliehen (1). Für
Wissenschaftler ist der Nobelpreis die höchste und prestigeträchtigste
Auszeichnung überhaupt. Plebs erklärt, wie es zu diesem
Preis kam, und wer die Gewinner 2004 sind.
Von Marc Höchner.
Der Nobelpreis geht, wie der
Name es schon sagt, auf einen Herr Alfred Nobel zurück.
Dieser wurde 1833 in Stockholm als ältester Sohn eines Architekten
und Geschäftsmannes geboren. Nobel wuchs zunächst in
ärmlichen Verhältnissen auf, da sein Vater mit seiner
Firma Konkurs ging. Doch bald änderte sich die finanzielle
Lage, und Nobel erhielt in St. Petersburg (wo die Familie nun
wohnte) eine erstklassige Schulbildung. Danach machte er gleich
eine Reise durch Europa, und lernte so zum ersten Mal Nitroglyzerin
kennen. Dieser hochexplosive Stoff galt als zu unstabil, um nützlich
zu sein. Doch Alfred Nobel interessierte sich dafür. Er
setzte sich als Ziel, daraus einen vermarktbaren Sprengstoff
zu entwickeln.
Der Erfinder des Dynamits
1863 ging das Geschäft
des Vaters abermals Konkurs. Die Familie kehrte nach Schweden
zurück. Alfred Nobel begann an verschiedenen Sprengstoffen
zu tüfteln. Im gleichen Jahr kamen bei einer Explosion in
seinem Labor sein Bruder und 4 weitere Leute um. Trotzdem gelang
es ihm 3 Jahre später einen neuen Sprengstoff zu patentieren.
Er hatte das Nitroglyzerin mit Kieselguhr gemischt. Es entstand
eine Paste, die zugleich stabil und formbar war - Dynamit.
1875 patentierte er einen noch besseren Sprengstoff, die Sprenggelatine.
Diese Erfindungen kamen zur richtigen Zeit. Auf der ganzen Welt
konnten dank diesen Sprengstoffen schneller gebaut werden. Bald
besass Nobel 90 Fabriken auf der ganzen Welt.
Nobels Testament
Obwohl Alfred Nobel dank
seiner Inventionen ein riesiges Vermögen erwirtschaftete,
war er offenbar nicht ein besonders glücklicher Mensch.
Er heiratete nie, hatte keine Kinder und war oft einsam und von
sich selber enttäuscht. Besonders reute ihn, dass Dynamit
zunehmend Verwendung in Armeen fand, und als Waffe eingesetzt
wurde.
1890 liess sich Nobel in italienischen Kurort San Remo nieder,
1895 schrieb er sein berühmtes Testament. Aus seinem Vermögen
liess er ein Fond errichten. Die Zinsen aus diesem Fond sollten
als Preis zu gleichen Teilen den Menschen zukommen: "die
im verflossenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen
gebracht habe[n]". Der Preis umfasst die Gebiete Physik,
Chemie, Medizin, sowie literarisches Werk "in einer 'idealistischen'
(2) Richtung". Geehrt wird auch die Person, die
"am meisten oder am besten für die Verbrüderung
der Völker gewirkt hat, für die Abschaffung oder Verminderung
der stehenden Heere sowie für die Bildung und Verbreitung
von Friedenskongressen". Zur Zeit ist der Nobelpreis mit
ca. 1.7 Mio Franken dotiert.
(1) Der Friedensnobelpreis wird
am gleichen Tag in Oslo verliehen; der Wirtschaftsnobelpreis
ist streng genommen gar kein Nobelpreis, da er erst 1968 von
der Schwedischen Staatsbank gestiftet wurde. Er wird aber dem
Nobelpreis gleichgestellt.
(2) Diese Formulierung ist unklar,
im Testament steht idealisk (ideal), das Wahlgremium interpretierte
es aber als idealistisk (idealistisch).
www.nobelprize.org
>>> Geschichte der Nobelstiftung,
Auswahlverfahren der Kandidaten, ausführliche wissenschafttliche
Infos, Spiele
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Die Nobelpreisgewinner 2004
(ohne Friedens- und Literaturnobelpreis)
Physik:
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| David
J. Gross, Kavli Institute for Theoretical Physics, University
of California, Santa Barbara, USA |
H.
David Politzer, California Institute of Technology (Caltech),
Pasadena, USA |
Frank
Wilczek, Massachusetts Institute of Technology (MIT), Cambridge
USA |
Der Physiknobelpreis erhielten
die drei Amerikaner für ihre Arbeit im Bereich der Quark
Forschung. Quarks sind die elementaren Teilchen, aus welchen
Materie besteht. Sie haben entdeckt, dass sich die Quarks im
Atomkern wie ein Gummiband verhalten. Je weiter auseinander sie
sind, desto stärker die bindende Kraft, auf Englisch "colour
force" genannt. Umgekehrt wird diese Kraft umso schwächer,
je näher die Quarks aneinander sind. Diese Entdeckung bringt
die Physik einen Schritt näher an ihren Traum einer Universalformel
Chemie:
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| Aaron
Ciechanover, Technion Israel Institute of Technology, Haifa,
Israel) |
Avram Hershko, dito |
Irwin
Rose, University of California, Irvine, USA |
Im Bereich der Chemie wurde der
Nobelpreis für bahnbrechende Entdeckungen in der Zellbiologie
vergeben. Dass Zellen dauernd Proteine produzieren, ist nichts
überraschendes. Doch das Forscherteam aus Israel und den
USA hat entdeckt, das Zellen auch gezielt und geordnet Proteine
abbauen. Die "verurteilten" Proteine enthalten ein
"Etikett" - das Molekül Ubiquitin. Dieser
Stoff wirkt als Schlüssel für die "Entsorgungszellen",
die Proteasomen. Die Produktion und Abbau von Proteinen ist ein
wichtiger Kreislauf in unserem Körper. Dank dieser Entdeckung
besteht weiterhin Hoffnung im Kampf gegen Krebs und anderen Krankheiten.
Medizin:
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| Richard
Axel, Columbia University New York; Howard Hughes Medical Institute,
USA |
Linda
B. Buck, Fred Hutchinson Cancer Research Center Seattle; Howard
Hughes Medical Institute, USA |
Der Geruchssinn der Säugetiere
stellte lange Zeit für die Wissenschaft ein Rätsel
dar, doch die beiden US - Forscher haben das Geheimnis endlich
entschlüsselt. Gerüche werden von Tausenden von Rezeptorenzellen
wahrgenommen. Jede Zelle kann nur eine begrenzte Anzahl Geruchsrezeptoren
wahrnehmen. Diese werden ans Hirn weitergeleitet, wo ein "Geruchsmuster"
entsteht. Mit Hilfe von diesem Muster ist das Hirn in der Lage,
eine Vielzahl von Gerüchen zu speichern. Diese Fähigkeit
ist für Menschen und Säugetiere lebenswichtig. Beispielsweise
ist nur erkennbar, ob Nahrung verdorben ist oder nicht.
Wirtschaftschaften:
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| Finn
E. Kydland, Carnegie Mellon University, Pittsburgh; University
of California, San Barbara, USA |
Edward
C. Prescott, Arizona State University, Tempe; Federal Reserve
Bank of Minneapolis, USA |
Die Nobelpreisgewinner im Bereich
Wirtschaftswissenschaften erhielten der Norweger Kydland und
der Amerikaner Prescott für ihre Beiträge über
die treibende Kraft hinter Wirtschaftszyklen. Herkömmliche
Wirtschaftsmodelle konzentrierten sich auf das Zusammenspiel
historischer Variablen, wie Angebot, Nachfrage, Produktion usw.
Diese Wissenschaftler betrachten jedoch den Wirtschaftszyklus
als Ergebnis unzähliger Entscheidungen von privaten Haushalten
und Firmen. Sie leisteten damit wertvolle Vorarbeit für
die Entwicklung von neuen, zeitgemässeren Wirtschaftstheorien.
Ausserdem lieferten sie eine Erklärung für die Ineffienz
staatlicher Wirtschaftspolitik: Da Haushalte und Firmen immer
vorausschauend agieren, scheitern politische Massnahmen, die
nicht früh und entschieden genug vorangetrieben werden.
Dies nennt man Problem der Zeitinkonsistenz wirtschaftspolitischer
Entscheidungen.
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