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Wissenschaft 27. Oktober 2004
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Spurlos verschwunden im Regenwald
"Seine Stimme fehlt uns!"


Einzigartige Natur in Sarawak: Orang-Utan Baby (oben), Hornbill Vogel und Rafflesia Blume (unten)


Proboscis Affe (nasalis larvatus)

Quelle:
Bruno-Manser-Fonds
(www.bmf.ch)
Am 25. Mai 2000 ist der Schweizer Umweltaktivist Bruno Manser spurlos verschwunden. Noch immer haben die Spekulationen darüber, was passiert sein könnte, kein Ende gefunden. Eines ist aber sicher: Bruno Manser hat mit aller Kraft für seine Überzeugung gekämpft und sich dabei durch nichts und niemanden aufhalten lassen. Die tragische Geschichte eines Basler Dickkopfs stimmt einen nachdenklich.

Von Nicole Disler.

Die Penan sind eines der letzten existierenden Nomadenvölker. Bruno Manser lebte von 1984 bis 1990 als einer der ihren im Regenwald ihrer Heimat dem Sarawak. Ein grünes Paradies im Nordwesten Borneos.
Die offizielle Tourismus-Homepage von Sarawak preist das kleine Land in Malaysia als Juwel Asiens. Man findet Bilder von exotischen Tieren und Pflanzen und kann sich eine Karte anschauen, in der die unzähligen Naturschutzgebiete eingezeichnet sind. Man erfährt von Blumen, so gross wie ein Kaffeetischchen, die keine Wurzeln haben und nach faulem Fleisch "duften", von Affen, welche die Eingeborenen aufgrund ihrer auffälligen Nasen "Holländeraffen" nennen und vielen weiteren einzigartigen Besonderheiten der Flora und Fauna Borneos. In der Realität jedoch dröhnt das Kreischen von Kettensägen durch diese Idylle.

Der Proboscis Affe, so der korrekte Name des "Holländeraffen", ist weltweit vom Aussterben bedroht. Knapp tausend Exemplare leben im Sarawak. Die Regierung hat zwar die Wildererei verboten, und die Proboscis Affen unter Naturschutz gestellt, doch existiert dieser Schutz eigentlich weitgehend auf dem Papier. Obwohl die Penan Affen töten, um sie zu essen, sind sie nicht die eigentliche Gefahr für diese Spezies. Sehr viel schlimmere Folgen hat die Abholzung des natürlichen Habitats der Proboscis Affen durch die grossen Holzkonzerne. Paradoxerweise wird so nach aussen durch den Schutz der Affen Umweltbewusstsein demonstriert, in Wirklichkeit jedoch wird die Lebensgrundlage dieser Tiere mit Billigung der Regierung zerstört. Dies ist nur ein Beispiel für die verzwickte, politische Sachlage in Belangen des Naturschutzes in Malysia. Denn obwohl der Tourismus eine wichtige Einnahmequelle ist, und dafür eine intakte Natur die Grundlage bildet, ist auch die Holzindustrie ein gewichtiger, finanzieller Faktor.

Bruno Manser floh 1990 zurück in die Schweiz, um von hier aus, den Kampf gegen die weltweite Abholzung der Regenwälder aufzunehmen. Einerseits um die Natur zu bewahren und andererseits um die Menschenrechte der letzten Penan zu verteidigen, deren Lebensgrundlage durch die Waldrodung ebenso zerstört wird. Dafür leistete er vollen Einsatz. Seine Aktionen reichten von einem Hungerstreik auf dem Bundesplatz inklusive gemütlichem "Strick-Intermezzo" mit Ruth Dreifuss bis zu einem spektakulären Absprung mit dem Fallschirm in Begleitung seines treuen Kopiloten "Gumperli" (ein Lamm) über dem UNO Sitz in Genf . Eigentlich war dieser Sprung in Malaysia geplant, Gumperli war als symbolträchtiges Friedensgeschenk für den Chief Minister in Kuching vorgesehen. Doch die Regierung von Malaysia wollte kein Lamm und schon gar keinen schweizer Umweltaktivisten im Land haben. Obwohl der gesunde Menschenverstand Bruno Manser Recht geben muss, änderte sich bisher auch in unserem Land sehr wenig. Trotz genügend (nachwachsendem) Holzbestand direkt vor unserer Haustüre, importiert die Schweiz immer noch Tropenhölzer. Auch eine allgemeine Deklarationspflicht, wie sie beim Rindfleisch innert weniger Wochen realisiert werden konnte, gibt es für Holz noch nicht.

Am 22. Mai 2000 brach Bruno Manser auf, um trotz Einreiseverbot und Kopfgeld, welches auf ihn ausgesetzt worden war, seinen Freunden, den Penan zu Hilfe zu eilen. Der Plan war, vom indonesischen Teil Borneos, Kalimantan, über die grüne Grenze in den Sarawak zu gelangen. Dort kam er vermutlich niemals an. Jegliche Suchaktionen blieben bisher erfolglos. Im Mai 2001 wurde auf dem Bundesplatz in Bern ein Mahnbaum für Bruno Manser aufgestellt. "Seine Stimme fehlt uns!" hiess es in einem persönlichen Brief, den Ruth Dreifuss zu diesem Anlass durch Mansers Schwester verlesen liess. Sie drückte darin ihre Bewunderung für den Umweltaktivisten und Menschenrechtler aus.

Es sollte mehr Stimmen wie die von Bruno Manser geben. Stimmen die nicht verstummen, selbst wenn sie nicht mehr erklingen; Und die lautstark und mit Nachdruck eine faire Behandlung der Natur und seiner Lebewesen, einschliesslich aller Menschen fordern.

Bücher von Bruno Manser:
Stimmen aus dem Regenwald (1992)
Tagebücher aus dem Regenwald (1984-1990) mit vielen Zeichnungen und Skizzen von Bruno Manser

www.bmf.ch
>>> Bruno-Manser-Fonds, Bücher von Bruno Manser und weitere Produkte

de.wikipedia.org/wiki/Bruno_Manser
>>> Die Facts über B. Manser

www.sarawaktourism.com/
>>> Die "heile Welt" in Sarawak

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