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Wissenschaft 27. Oktober 2004
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Kinofilm "Genesis"
Am Anfang war das Nichts

 

Verlosung!

Das Plebs Netzmagazin verlost passend zum Film "Genesis":

3 x 1 Film-Soundtrack
3 x 1 Buch zum Film

Wie teilnehmen? Ganz einfach: Sende jeweils eine E-Mail mit dem Betreff "Genesis Soundtrack" und/oder "Genesis Buch" an gewinnenplebs.ch. Einsendeschluss: 15. November 2004. Viel Glück!

Vollständige Teilnahmebedingungen unter Verlosungen.

"Genesis" ist der zweite Streich von Claude Nuridsany und Marie Pérennou, den Machern des Welterfolgs "Microcosmos", und erzählt von der Geburt unseres Universums bis hin zu dem ersten Auftauchen von Leben auf der Erde. Der Film vermag vor allem durch seine faszinierenden und poetischen Bildern überzeugen, doch wie verhält es sich mit dem Inhalt? Dient der Film bloss ästhetischem Zweck oder ist er wissenschaftlich gesehen genauso lobenswert?

Von Ivana Leiseder.

Der Mythos vom Anfang, unser aller Geschichte, wird einem vom Protagonisten Natur dargeboten, die so manche Hollywoodschauspieler in den Schatten stellt. In einer überaus blumigen Sprache wird die Geschichte von einem afrikanischen Schamanen kommentiert, der mit seiner Metaphorik und geheimnisvollen Art die Zuschauer überzeugen kann. Man fühlt sich in die früheste Kindheit zurückversetzt, wenn der Zauberer märchenhafte Sätze spricht wie: "Es ist die Liebe, die mich aus dem Nichts gezogen hat. Dann hatte ich zwei Leben. Das eine habe ich im Bauch meiner Mutter verbracht. Das andere in der grossen, weiten Welt." Genesis erzählt also von zwei ineinander verflochtenen Schicksalen: der unendlichen Geschichte des Universums und der einzigartigen Erfahrung des eigenen Lebens.

Am Anfang war das Nichts
Am Anfang, d.h. bei der Entstehung des Universums vor 15 Milliarden Jahren, war das Nichts - darin sind sich Schamane und Wissenschaft einig. Forscher nehmen an, dass es das Nichts selber war, das ein Vakuum erzeugt hat, das den Urknall in Gang gesetzt hat. Eine Energiezuckung des Vakuums ist für den Urknall verantwortlich. Dass der Urknall tatsächlich stattgefunden hat, ist heute ebenfalls aufgrund einer immer noch vorhandenen kosmischen Hintergrundstrahlung, die das ganze Universum erfüllt, bewiesen.

Inflation
Unmittelbar nach dem Urknall war das frisch geborene All kleiner als ein Atomkern, doch nach weniger als einer Billionstel Sekunde dehnte sich das Universum schlagartig auf astronomische Grösse aus. In der Konzentration der Energie gab es einige Unregelmässigkeiten, die ebenfalls wuchsen. Zusammen mit dieser Konzentration und dem Drang des Vakuums, sich auszudehnen, erfolgte die so genannte "Inflation", die chaotische Expansion des Alls. Aus der ungeordneten Urmaterie entstanden Sterne und Galaxie. So wie sich Wasserdampf in Tröpfchen niederschlägt, hat sich im aufquellenden Weltall ein Grossteil der ungeheuren Anfangsenergie zu Elementarteilchen und Atomen kondensiert. Die ersten Atome waren bloss Wasserstoff und Helium, die das gesamte Universum füllten, doch sehr bald nachdem die Erde aus Kometengestein geboren war, d.h. in der thermonuklearen Glut der Sterne, bildeten sich immer weitere Elemente, darunter Sauerstoff und Kohlenstoff, die Baumaterialien für das Leben. Die Materie hat sich also in ihren ersten drei Minuten Verblüffenderweise selbst zusammengestellt.

Ursuppe und die Erfindung von Sex
Aus den oben genannten chemischen Bausteinen entwickelte sich auf dem jungen Planeten Erde eine Ursuppe, in der Aminosäuren und Nukleotide schwammen, jene Moleküle, aus denen sich später Eiweisse und Gene zusammenfügten. Die Gene fanden in Fetttröpfchen, die im Ozean schwammen und in denen sich Nährstoffe sammelten, eine geschützte Umgebung und das Grundelement allen heutigen Lebens - die Zelle - entstand. Blaualgen, die ersten Einzeller, besiedelten die Ozeane und der Kampf ums Dasein begann. Was aber danach kam, der Weg zur Vielfalt der irdischen Kreaturen, war weit schwieriger als der rasende Start des Lebens selbst. Die Entwicklung der Organismen stockte gleich nach Startschuss und die Einzeller verbrachten fast zwei Milliarden Jahre alleine auf dem Planeten Erde - bis eine erstaunliche Erfindung der Evolution auf die Sprünge verhalf: Der Sex. Verschiedene Wesen begannen, ihr Erbgut zu vermischen und somit offenbarte sich eine ungeheure Fülle an neuen Möglichkeiten. Durch Verschmelzung verschiedener Bakterien entstanden vor etwa zwei Milliarden Jahren die ersten Organismen mit Zellkern, die Eukaryonten, dann Pilze und Pflanzen. Ein drei Milliarden währender Evolutionsprozess entwickelte sich, während dem sich das Leben vom Wasser aufs Land ausdehnte und an dessen fortläufigem Ende der Mensch steht. Wie genau sich dieser Prozess vollzog, ist den Wissenschaftlern schleierhaft und sie haben bis heute nicht darin reüssiert, das erste entstandene Tier ausfindig zu machen.

Gelungene Schulstunde
Der erzählende Schamane als auch die Wissenschaft sind sich in allen angesprochenen Punkten einig, jedoch verzichtet der Film auf eine ausführliche wissenschaftliche Darlegung und belässt es bei schulfreundlichen Sätzen, vermittelt also bloss eine Grundlage. Die ganze Entstehung des Universums und des Lebens auf Erden, wie wir alle sie schon mehrere Male gehört haben, wird durch einige wenige Kommentare kund gegeben und man erfährt einmal mehr unser aller Geschichte - diesmal begleitet von prachtvollen und poetischen Bildern, die das Ganze sehr faszinierend machen. Eine interessante Schulstunde in knapp anderthalb Stunden wird einem vermittelt. Der Film ist nicht jenen Menschen zu empfehlen, die auf eine wissenschaftliche Darlegung aus sind, zumal der Fokus auf das Bildmaterial gerichtet ist und der Film kaum Neues bietet. Zum Nachdenken regt er aber allemal an und wer sich verzaubern lassen und noch einmal ein wenig Kindsein erleben will, ist mit diesem Film genau richtig.

Stefan Klein, Die Tagebücher der Schöpfung - Vom Urknall zum geklonten Menschen, 2. Auflage Januar 2001, Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co, München.

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