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Bücher, Autoren & Comics 11. Oktober 2004
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Claire Tristram: "Passion" | Roman
Verlangen nach Liebe

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Eine jüdische Witwe und ein muslimischer Familienvater treffen sich in einem Hotel am Meer, um während einer 24-stündigen Affäre einen existentiellen Kampf auszutragen. Denn die Witwe sucht nicht nur körperliche Nähe, sondern Rache und Erklärung für den Angriff auf das World-Trade-Center.

Von Stephan Sigg.

Man erfährt nicht viel über diese einsame, namenlose Frau, die zu einem Hotel ans Meer fährt, um dort mit einem anderen Mann zusammenzusein, den sie vorher nur flüchtig kennen gelernt hat. Ihr Mann ist Opfer eines Selbstmordanschlages. Trotz intensiver Arbeit mit einer Trauertherapeutin hat sie den Schmerz noch immer nicht überwunden. Weshalb sie sich mit diesem Moslem einlassen will, weiss sie nicht. Seine Religion hat sie aber bewusst gewählt. Als dieser Mann tatsächlich wie verabredet im Hotelzimmer auftaucht, fühlt sie sich total überfordert. Doch dann lässt sie sich trotzdem ein auf den Kampf zwischen den Geschlechter, der sogleich ein Kampf ist zwischen zwei Kulturen, Religionen und Sexualitäten.

Fremde Macht
Während sich die beiden körperlich näher kommen, gerät plötzlich das ganze Affären-Konzept aus dem Ruder. Die Witwe realisiert, dass es ihr um viel mehr geht, als bloss mit einem Mann zusammen zu sein und von ihm begehrt zu werden. Sie will Macht, sie will Gewalt. Als sie ihren Liebhaber fesselt und knebelt, ergreift eine andere Person von ihr Besitz. Und dann gibt es für die Witwe auf einmal kein Halten mehr. Denn ihr Unbewusstsein hat viel zu lange darauf gewartet, an die Oberfläche zu kommen.

Gesellschaftskritisch
Die amerikanische Autorin Claire Tristram verarbeit in ihrem Debüt-Roman die Ereignisse des 11. Septembers in Form einer leidenschaftlichen Geschichte, in der Eros zwar vordergründig die Hauptrolle spielt, hintergründig aber hochpolitische und gesellschaftskritische Fragen aufgeworfen werfen. Fragen, auf die die Witwe keine Antwort finden will. Dabei lässt Claire Tristram vieles bis zum Schluss im Dunkeln. Spannend und bewegend zu lesen. Aber bei manchen Fragen hätte sich der Leser dann doch etwas mehr Klärung gewünscht.

Aufbau Verlag, 170 Seiten

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