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Claire Tristram: "Passion"
| Roman
Verlangen nach Liebe
Eine jüdische Witwe
und ein muslimischer Familienvater treffen sich in einem Hotel
am Meer, um während einer 24-stündigen Affäre
einen existentiellen Kampf auszutragen. Denn die Witwe sucht
nicht nur körperliche Nähe, sondern Rache und Erklärung
für den Angriff auf das World-Trade-Center.
Von Stephan Sigg.
Man erfährt nicht viel über
diese einsame, namenlose Frau, die zu einem Hotel ans Meer fährt,
um dort mit einem anderen Mann zusammenzusein, den sie vorher
nur flüchtig kennen gelernt hat. Ihr Mann ist Opfer eines
Selbstmordanschlages. Trotz intensiver Arbeit mit einer Trauertherapeutin
hat sie den Schmerz noch immer nicht überwunden. Weshalb
sie sich mit diesem Moslem einlassen will, weiss sie nicht. Seine
Religion hat sie aber bewusst gewählt. Als dieser Mann tatsächlich
wie verabredet im Hotelzimmer auftaucht, fühlt sie sich
total überfordert. Doch dann lässt sie sich trotzdem
ein auf den Kampf zwischen den Geschlechter, der sogleich ein
Kampf ist zwischen zwei Kulturen, Religionen und Sexualitäten.
Fremde Macht
Während sich die beiden körperlich näher kommen,
gerät plötzlich das ganze Affären-Konzept aus
dem Ruder. Die Witwe realisiert, dass es ihr um viel mehr geht,
als bloss mit einem Mann zusammen zu sein und von ihm begehrt
zu werden. Sie will Macht, sie will Gewalt. Als sie ihren Liebhaber
fesselt und knebelt, ergreift eine andere Person von ihr Besitz.
Und dann gibt es für die Witwe auf einmal kein Halten mehr.
Denn ihr Unbewusstsein hat viel zu lange darauf gewartet, an
die Oberfläche zu kommen.
Gesellschaftskritisch
Die amerikanische Autorin Claire Tristram verarbeit in ihrem
Debüt-Roman die Ereignisse des 11. Septembers in Form einer
leidenschaftlichen Geschichte, in der Eros zwar vordergründig
die Hauptrolle spielt, hintergründig aber hochpolitische
und gesellschaftskritische Fragen aufgeworfen werfen. Fragen,
auf die die Witwe keine Antwort finden will. Dabei lässt
Claire Tristram vieles bis zum Schluss im Dunkeln. Spannend und
bewegend zu lesen. Aber bei manchen Fragen hätte sich der
Leser dann doch etwas mehr Klärung gewünscht.
Aufbau Verlag, 170 Seiten
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