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Ein kurzes Interview mit dem
phantastischen Autoren Markus Heitz
"Schlechte Karten hat bei mir
keine Figur."
Markus Heitz ist einigen
Lesern sicher schon bekannt durch seine Romane bei Heyne, die
nun zum Teil bei Piper neu aufgelegt werden. Dabei ist erstaunlich,
dass der passionierte Koch zuerst mit seinem Eigenprodukt Ulldart
sich einen Namen in der deutschen Phantastik machen konnte. Erst
danach wurde der Journalist von FanPro und Heyne gefragt, ob
er als aktiver Shadowrun-Rollenspieler auch Romane zu dieser
Hintergrundwelt schreiben wollte.
Von Matti Johan Martin.
Plebs: Guten Tag Herr Heitz,
Sie schreiben Fantasy (Ulldart, Heyne) und Science Fiction (Shadowrun,
ebenfalls Heyne). Welches Genre gefällt Ihnen besser und
wieso?
Markus Heitz: Es gefällt
mir beides sehr gut. Es gefallen mir noch ganz andere Genres
gut, wie man in naher Zukunft sehen wird. Es geht mir um Vielfalt,
um Abwechslung. Das mag von meinem Rollenspiel-Hintergrund her
stammen; ich bin im Kopf viel herumgekommen, vom Weltraum über
die Jetztzeit, die Fantasy bis zum Horror. Ich würde mich
auch nicht festlegen wollen, denn ich müsste, um einen hobbitesken
Vergleich zu machen, zwischen Schinken und Käse und Salat
wählen: Man kann alles essen, aber es schmeckt verschieden
und sie sind nicht vergleichbar. :o)
Sie haben bei Ihrer Eigenproduktion
Ulldart zwar die manichäischen Konventionen des Genres eingehalten,
aber dennoch haben Sie sich bemüht Figuren zu erschaffen,
die nicht eindimensional gut oder böse sind. Ich nehme an,
das war Absicht. Wollten Sie das Fantasygenre etwas aufmischen,
indem Sie dennFiguren mehr Grautöne verpassten?
So ist das Leben eben. Es gibt
einige durch und durch Aufrichtige, einige durch und durch
Niederträchtige, aber die meisten Menschen sind neutral,
neigen je nach Situation mal zum Guten, mal zum Schlechten. Warum
sollte es in der Fantasy anders sein? Die reinen Helden fand
ich schon immer unglaubwürdig oder gar langweilig, ich habe
immer nach dem Geheimnis eines Heroen gesucht, was er unterm
Teppich versteckt, wo das Dunkle geblieben ist. Und selbst wenn
er vom Willen zum Guten getrieben wird, verhindert das nicht,
dass er dabei Schlechtes tut, siehe Lodrik. Ich kann nicht mal
sagen, ob das im übrigen Fantasy-Genre bislang nicht üblich
war, dafür lese ich zu wenig. Keine Zeit, vor lauter Schreiben.
:o)
Welche Figur in Ihrer Welt
Ulldart entspricht Ihnen am meisten?
Von entsprechen kann keine Rede
sein, aber ich konnte mich sehr gut in die Gefühlswelt des
jungen Lodrik hineinversetzen. Ich bin nicht eben der Leichteste
und wurde deswegen früher oft veralbert. So richtig. Das
Verletzende, die Wirkung auf einen jungen Menschen, wie schlecht
man sich fühlt, wenn man ausgelacht wird, das habe ich sehr
gut verstanden. Aber eine Entsprechung gibt es nicht. Sonst müsste
ich im Umkehrschluss zu Lodrik danach streben, den europäischen
Kontinent zu beherrschen und das ist mir zu gefährlich,
solange es die Amerikaner gibt.
Welche Figur/-en in Ulldart
liegen Ihnen am Herzen? Welche haben bei Ihnen schlechte Karten?
Können Sie bitte jeweils begründen wieso?
Schlechte Karten hat bei mir
keine Figur. Manche haben einfach das Pech, dass ich sie nicht
mehr brauche. :o) Besonders mag ich Mortva wegen seiner herrlichen
Intrigenspinnerei. DAS hat vielleicht Spaß gemacht! Das
erlaubt dem Autor, auch mal seine böse, böse Seite
hallo sagen zu lassen, aber danach kommt sie gleich wieder in
den Schrank.
Viele Fantasyautoren bleiben
Ihren Welten treu. Wollen Sie ein deutscher Terry Brooks oder
Raymond Feist werden? Wenn Sie wieder in Ulldart Ihr Unwesen
treiben, wann dürfen die Leser auf Neues Material erwarten?
Oder ist Ulldart von Ihnen bereits abgegrast?
Zu werden wie ist kein ehrlich
erstrebenswertes Ziel. Ich bin Markus Heitz, das genügt
mir. Ich wüsste im Moment auch nicht, was einen Terry Brooks
ausmacht und wer Raymond Feist ist. Ehrlich, keine Ahnung Einer
Welt treu zu bleiben, ist niemals verkehrt, wenn die Ideen gut
bleiben. Ich würde beispielsweise niemals mit Ulldart weiter
schreiben, wenn ich nicht der Meinung wäre, die nachfolgende
Handlung ist ebenso gut wie das, was vorher passierte. Das würde
erstens mich beim Schreiben langweilen und zweitens etwas später
die Leser. Das möchte ich auf keinen Fall. Es ist so, dass
die Idee zur Fortsetzung auf Ulldart eines siebten Bandes schon
am Ende des sechsten Bands im Kopf entstand. Der Piper Verlag,
neuer Inhaber der Rechte von Ulldart und Die Zwerge, hat mir
jetzt die Gelegenheit gegeben, einen lang gehegten Wunsch wahr
werden zu lassen und zwei Fortsetzungsbände geordert. Und
die Story geht in eine ganz andere Richtung, auch wenn bekannte
Personen dabei sind.
Sie schreiben auch Romane
in der Welt von Shadowrun. Ist der immer wieder auftauchende
Reporter Poolitzer Ihr Alter Ego?
Poolitzer? Ein alter ego? So
genau habe ich nicht drüber nachgedacht Aber ich wollte
jedenfalls nicht so sein wie er. :o) Er ist rücksichtslos,
wenn es um Themen geht, die Menschen dahinter spielen oftmals
untergeordnete Rollen. Er ist auch so ein grauer Charakter, er
setzt sich für die gute Sache ein, aber die Beweggründe
sind oft alles andere als edel. Okay, ich war auch mal Journalist,
und wenn es um gute Fotos geht, muss man sich ab und zu mal freundlich
nach vorne drängeln. Aber wie Poolitzer habe ich mich nie
verhalten&, hoffe ich. Bei 1,89 Meter, schwarzer Kleidung
und einer breiten Statur machen die Menschen von selbst Platz.
Ich bin schon oft genug für die Security gehalten worden,
ein Mädel hat mir mal ihren Ausweis gezeigt und gesagt:
Ich bin schon 18. Ich weiß bis heute nicht, ob das ein
sexuelles Angebot war oder die Angst vor dem Rausschmiss.
Haben Sie mit dem neuesten
Roman Sturmvogel Probleme mit FanPro, da Sie doch Dinge schildern,
die in der offiziellen Hintergrundwelt von Shadowrun doch einige
Wirbel verursache dürften?
Ich? Nein, ich habe keine Probleme
mit FanPro. Es gäbe auch keinen Grund dafür. FanPro
bekam den Roman, es hat sich niemand von den Redakteuren über
den Inhalt beschwert und mir einen Hinweis gegeben, dass man
das Ende weniger atomexplosionshaltig wünscht, und dann
ging es so in den Druck. Im Nachhinein war man wohl nicht mehr
so glücklich damit, in der offiziellen Timeline von Shadowrun
wird zumindest die Sache mit der Explosion nicht auftauchen Hey:
Vertuschung! Passt doch exzellent zur Atmosphäre von Shadowrun,
und schon kann Poolitzer daraus wieder eine neue Story machen:
Was wirklich geschah! Ein Versuch der Russen, mit gefälschten
Bildern eine Entschädigung von Pomorya zu erhalten? Tata,
so entstehen Romane mitten in einem Interview. ;o)
In all Ihren Romanen kommt
der Witz nicht zu kurz. Achten Sie darauf oder kommt es beim
Schreiben einfach aus Ihnen heraus? Wie wichtig halten Sie Witz
in der Phantastik allgemein?
Ich mag Humor. Witz ist wichtig,
ebenso wie Drama und Action. Es gibt immer im Leben witzige Situationen,
ungewollte oder gewollte. Und Romane sind doch nichts anderes
als das Leben, mal in der realen Welt, mal in einer erdachten.
Bei mir kommt der Humor von selbst und ich lasse ihn dort zu,
wo er in eine Szene passt. In der Phantastik hängt es immer
vom Autor ab, WIE er seine Welt aufzieht. In Conan oder Kane
kann ich mir Schenkelklopfer schlecht vorstellen, aber bei einem
Volk der Zwerge schon, ohne sie dabei lächerlich wirken
zu lassen.
Haben spezielle Arbeitstechniken
beim Schreiben, hören Sie Musik dabei oder machen Sie vorher
Turnübungen?
Arbeitstechniken? TURNÜBUNGEN?
Ach du meine Güte tun das denn manche Autoren? Und welche
Bücher schreiben sie? ;o) Nein, ich sitze friedlich an meinem
Schreibtisch, achte dabei aber schon auf Ambiente. Heißt:
Aroma durch Duftlampe in der Luft, abends ein paar Kerzen, passende
Soundtracks im Hintergrund, immer eine Kanne Tee. Was für
ein Tee? Schwarztee, niemals Darjeeling, in erster Linie aus
der Region Assam, englische oder ostfriesische Mischungen, gerne
auch mal einen Earl Grey, heiß, auch aromatisierte Tees,
selbst gemachter indischer Gewürztee. Nur keine Pseudogesundheits-
Wassertrüber wie grüner Tee, von dem vor kurzem mal
wieder festgestellt wurde, dass er ein Pestizidproblem hat und
wohl doch nicht so heilend ist, wie viele behaupteten. Schwarztee
war wenigstens schon immer ungesund. ;o) Musik und Tee. Starker
Tee. Das genügt mir schon.
Schreiben Sie zuerst ein Expose,
dem Sie beim Schreiben folgen?
Im Grunde schon. Zuerst kommen
die Ideen, dann kommt die Strukturierung, daraus wird ein Plot,
eine etwa 3 bis 4 DinA4 umfassende Stichwortsammlung, wo welche
Personen sind, welche Szenen sich in welcher Reihenfolge ereignen
etc. Aus dem Gerüst wird der Roman. Das bedeutet aber nicht,
dass ich mich sklavisch an das Gerüst halte. Schreiben ist
ein kreativer Prozess, und wenn mir neue Szenen oder Szenenänderungen
einfallen, tue ich das eben. Dennoch sollte das Ziel nicht aus
den Augen verloren werden. Bisher gelang mir das immer.
Worauf achten Sie beim Schreiben?
Auf die Kerzen um mich herum.
Ich würde ungern sehen, wie mein Schreibtisch abbrennt.
:o)
Worauf können sich die
Leser als nächstes von Ihnen freuen?
Meine Neider können achtlos
an der Fortsetzung von den Zwergen, Der Krieg der Zwerge, vorbeigehen
und die Nase rümpfen. Aber es kommt noch schlimmer für
sie: Ulldart wird fortgesetzt! Alle anderen dürfen sich
gerne freuen. :o)
www.ulldart.de
www.mahet.de
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