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Bücher, Autoren & Comics 11. Oktober 2004
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Ein kurzes Interview mit dem phantastischen Autoren Markus Heitz
"Schlechte Karten hat bei mir keine Figur."

Markus Heitz ist einigen Lesern sicher schon bekannt durch seine Romane bei Heyne, die nun zum Teil bei Piper neu aufgelegt werden. Dabei ist erstaunlich, dass der passionierte Koch zuerst mit seinem Eigenprodukt Ulldart sich einen Namen in der deutschen Phantastik machen konnte. Erst danach wurde der Journalist von FanPro und Heyne gefragt, ob er als aktiver Shadowrun-Rollenspieler auch Romane zu dieser Hintergrundwelt schreiben wollte.

Von Matti Johan Martin.

Plebs: Guten Tag Herr Heitz, Sie schreiben Fantasy (Ulldart, Heyne) und Science Fiction (Shadowrun, ebenfalls Heyne). Welches Genre gefällt Ihnen besser und wieso?

Markus Heitz: Es gefällt mir beides sehr gut. Es gefallen mir noch ganz andere Genres gut, wie man in naher Zukunft sehen wird. Es geht mir um Vielfalt, um Abwechslung. Das mag von meinem Rollenspiel-Hintergrund her stammen; ich bin im Kopf viel herumgekommen, vom Weltraum über die Jetztzeit, die Fantasy bis zum Horror. Ich würde mich auch nicht festlegen wollen, denn ich müsste, um einen hobbitesken Vergleich zu machen, zwischen Schinken und Käse und Salat wählen: Man kann alles essen, aber es schmeckt verschieden und sie sind nicht vergleichbar. :o)

Sie haben bei Ihrer Eigenproduktion Ulldart zwar die manichäischen Konventionen des Genres eingehalten, aber dennoch haben Sie sich bemüht Figuren zu erschaffen, die nicht eindimensional gut oder böse sind. Ich nehme an, das war Absicht. Wollten Sie das Fantasygenre etwas aufmischen, indem Sie dennFiguren mehr Grautöne verpassten?

So ist das Leben eben. Es gibt einige durch und durch Aufrichtige, einige durch und durch
Niederträchtige, aber die meisten Menschen sind neutral, neigen je nach Situation mal zum Guten, mal zum Schlechten. Warum sollte es in der Fantasy anders sein? Die reinen Helden fand ich schon immer unglaubwürdig oder gar langweilig, ich habe immer nach dem Geheimnis eines Heroen gesucht, was er unterm Teppich versteckt, wo das Dunkle geblieben ist. Und selbst wenn er vom Willen zum Guten getrieben wird, verhindert das nicht, dass er dabei Schlechtes tut, siehe Lodrik. Ich kann nicht mal sagen, ob das im übrigen Fantasy-Genre bislang nicht üblich war, dafür lese ich zu wenig. Keine Zeit, vor lauter Schreiben. :o)

Welche Figur in Ihrer Welt Ulldart entspricht Ihnen am meisten?

Von entsprechen kann keine Rede sein, aber ich konnte mich sehr gut in die Gefühlswelt des jungen Lodrik hineinversetzen. Ich bin nicht eben der Leichteste und wurde deswegen früher oft veralbert. So richtig. Das Verletzende, die Wirkung auf einen jungen Menschen, wie schlecht man sich fühlt, wenn man ausgelacht wird, das habe ich sehr gut verstanden. Aber eine Entsprechung gibt es nicht. Sonst müsste ich im Umkehrschluss zu Lodrik danach streben, den europäischen Kontinent zu beherrschen und das ist mir zu gefährlich, solange es die Amerikaner gibt.

Welche Figur/-en in Ulldart liegen Ihnen am Herzen? Welche haben bei Ihnen schlechte Karten? Können Sie bitte jeweils begründen wieso?

Schlechte Karten hat bei mir keine Figur. Manche haben einfach das Pech, dass ich sie nicht mehr brauche. :o) Besonders mag ich Mortva wegen seiner herrlichen Intrigenspinnerei. DAS hat vielleicht Spaß gemacht! Das erlaubt dem Autor, auch mal seine böse, böse Seite hallo sagen zu lassen, aber danach kommt sie gleich wieder in den Schrank.

Viele Fantasyautoren bleiben Ihren Welten treu. Wollen Sie ein deutscher Terry Brooks oder Raymond Feist werden? Wenn Sie wieder in Ulldart Ihr Unwesen treiben, wann dürfen die Leser auf Neues Material erwarten? Oder ist Ulldart von Ihnen bereits abgegrast?

Zu werden wie ist kein ehrlich erstrebenswertes Ziel. Ich bin Markus Heitz, das genügt mir. Ich wüsste im Moment auch nicht, was einen Terry Brooks ausmacht und wer Raymond Feist ist. Ehrlich, keine Ahnung Einer Welt treu zu bleiben, ist niemals verkehrt, wenn die Ideen gut bleiben. Ich würde beispielsweise niemals mit Ulldart weiter schreiben, wenn ich nicht der Meinung wäre, die nachfolgende Handlung ist ebenso gut wie das, was vorher passierte. Das würde erstens mich beim Schreiben langweilen und zweitens etwas später die Leser. Das möchte ich auf keinen Fall. Es ist so, dass die Idee zur Fortsetzung auf Ulldart eines siebten Bandes schon am Ende des sechsten Bands im Kopf entstand. Der Piper Verlag, neuer Inhaber der Rechte von Ulldart und Die Zwerge, hat mir jetzt die Gelegenheit gegeben, einen lang gehegten Wunsch wahr werden zu lassen und zwei Fortsetzungsbände geordert. Und die Story geht in eine ganz andere Richtung, auch wenn bekannte Personen dabei sind.

Sie schreiben auch Romane in der Welt von Shadowrun. Ist der immer wieder auftauchende Reporter Poolitzer Ihr Alter Ego?

Poolitzer? Ein alter ego? So genau habe ich nicht drüber nachgedacht Aber ich wollte jedenfalls nicht so sein wie er. :o) Er ist rücksichtslos, wenn es um Themen geht, die Menschen dahinter spielen oftmals untergeordnete Rollen. Er ist auch so ein grauer Charakter, er setzt sich für die gute Sache ein, aber die Beweggründe sind oft alles andere als edel. Okay, ich war auch mal Journalist, und wenn es um gute Fotos geht, muss man sich ab und zu mal freundlich nach vorne drängeln. Aber wie Poolitzer habe ich mich nie verhalten&, hoffe ich. Bei 1,89 Meter, schwarzer Kleidung und einer breiten Statur machen die Menschen von selbst Platz. Ich bin schon oft genug für die Security gehalten worden, ein Mädel hat mir mal ihren Ausweis gezeigt und gesagt: Ich bin schon 18. Ich weiß bis heute nicht, ob das ein sexuelles Angebot war oder die Angst vor dem Rausschmiss.

Haben Sie mit dem neuesten Roman Sturmvogel Probleme mit FanPro, da Sie doch Dinge schildern, die in der offiziellen Hintergrundwelt von Shadowrun doch einige Wirbel verursache dürften?

Ich? Nein, ich habe keine Probleme mit FanPro. Es gäbe auch keinen Grund dafür. FanPro bekam den Roman, es hat sich niemand von den Redakteuren über den Inhalt beschwert und mir einen Hinweis gegeben, dass man das Ende weniger atomexplosionshaltig wünscht, und dann ging es so in den Druck. Im Nachhinein war man wohl nicht mehr so glücklich damit, in der offiziellen Timeline von Shadowrun wird zumindest die Sache mit der Explosion nicht auftauchen Hey: Vertuschung! Passt doch exzellent zur Atmosphäre von Shadowrun, und schon kann Poolitzer daraus wieder eine neue Story machen: Was wirklich geschah! Ein Versuch der Russen, mit gefälschten Bildern eine Entschädigung von Pomorya zu erhalten? Tata, so entstehen Romane mitten in einem Interview. ;o)

In all Ihren Romanen kommt der Witz nicht zu kurz. Achten Sie darauf oder kommt es beim Schreiben einfach aus Ihnen heraus? Wie wichtig halten Sie Witz in der Phantastik allgemein?

Ich mag Humor. Witz ist wichtig, ebenso wie Drama und Action. Es gibt immer im Leben witzige Situationen, ungewollte oder gewollte. Und Romane sind doch nichts anderes als das Leben, mal in der realen Welt, mal in einer erdachten. Bei mir kommt der Humor von selbst und ich lasse ihn dort zu, wo er in eine Szene passt. In der Phantastik hängt es immer vom Autor ab, WIE er seine Welt aufzieht. In Conan oder Kane kann ich mir Schenkelklopfer schlecht vorstellen, aber bei einem Volk der Zwerge schon, ohne sie dabei lächerlich wirken zu lassen.

Haben spezielle Arbeitstechniken beim Schreiben, hören Sie Musik dabei oder machen Sie vorher Turnübungen?

Arbeitstechniken? TURNÜBUNGEN? Ach du meine Güte tun das denn manche Autoren? Und welche Bücher schreiben sie? ;o) Nein, ich sitze friedlich an meinem Schreibtisch, achte dabei aber schon auf Ambiente. Heißt: Aroma durch Duftlampe in der Luft, abends ein paar Kerzen, passende Soundtracks im Hintergrund, immer eine Kanne Tee. Was für ein Tee? Schwarztee, niemals Darjeeling, in erster Linie aus der Region Assam, englische oder ostfriesische Mischungen, gerne auch mal einen Earl Grey, heiß, auch aromatisierte Tees, selbst gemachter indischer Gewürztee. Nur keine Pseudogesundheits- Wassertrüber wie grüner Tee, von dem vor kurzem mal wieder festgestellt wurde, dass er ein Pestizidproblem hat und wohl doch nicht so heilend ist, wie viele behaupteten. Schwarztee war wenigstens schon immer ungesund. ;o) Musik und Tee. Starker Tee. Das genügt mir schon.

Schreiben Sie zuerst ein Expose, dem Sie beim Schreiben folgen?

Im Grunde schon. Zuerst kommen die Ideen, dann kommt die Strukturierung, daraus wird ein Plot, eine etwa 3 bis 4 DinA4 umfassende Stichwortsammlung, wo welche Personen sind, welche Szenen sich in welcher Reihenfolge ereignen etc. Aus dem Gerüst wird der Roman. Das bedeutet aber nicht, dass ich mich sklavisch an das Gerüst halte. Schreiben ist ein kreativer Prozess, und wenn mir neue Szenen oder Szenenänderungen einfallen, tue ich das eben. Dennoch sollte das Ziel nicht aus den Augen verloren werden. Bisher gelang mir das immer.

Worauf achten Sie beim Schreiben?

Auf die Kerzen um mich herum. Ich würde ungern sehen, wie mein Schreibtisch abbrennt. :o)

Worauf können sich die Leser als nächstes von Ihnen freuen?

Meine Neider können achtlos an der Fortsetzung von den Zwergen, Der Krieg der Zwerge, vorbeigehen und die Nase rümpfen. Aber es kommt noch schlimmer für sie: Ulldart wird fortgesetzt! Alle anderen dürfen sich gerne freuen. :o)

www.ulldart.de
www.mahet.de

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